Dem Teenager helfen, das erste Gehalt zu budgetieren

Author Nadia

Nadia

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Das erste Gehalt deines Teenagers budgetierst du am besten gemeinsam, aber nicht für ihn. Schaut euch vor der ersten Zahlung die Gehaltsabrechnung an. Teilt das Nettogehalt dann in wenige feste Töpfe auf, zum Beispiel für Fixkosten, Sparen und frei verfügbares Geld. Nach einem Monat besprecht ihr kurz, was funktioniert hat. Dein Teenager trifft die Entscheidungen, du stellst die Fragen. So bleibt das Geld seins, und trotzdem lernt er eine Methode, die auch beim zweiten, zehnten und hundertsten Gehalt trägt.

Die folgenden Schritte zeigen, wie das konkret aussieht.

Schritt 1: Brutto und Netto gemeinsam verstehen

Viele Jugendliche rechnen mit dem Betrag aus dem Vertrag und sind dann vom Kontoauszug überrascht. Nehmt deshalb die erste Abrechnung zusammen in die Hand und klärt, was tatsächlich ankommt.

Ein paar Eckdaten für Deutschland (Stand 2026) helfen bei der Einordnung:

  • Minijob: Die Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 Euro im Monat (Deutsche Rentenversicherung). Minijobber sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Im gewerblichen Minijob zahlen sie einen Eigenanteil von 3,6 Prozent, können sich aber auf Antrag beim Arbeitgeber davon befreien lassen (Minijob-Zentrale). Besprecht in Ruhe, was diese Entscheidung bedeutet, statt einfach das Formular zu unterschreiben.
  • Ausbildung: Wer 2026 eine duale Ausbildung beginnt, bekommt im ersten Jahr mindestens 724 Euro brutto im Monat. Es gibt allerdings Ausnahmen für tarifgebundene Betriebe (BIBB). Davon gehen in der Regel noch Sozialversicherungsbeiträge ab.
  • Mindestlohn: Für Jugendliche unter 18 ohne abgeschlossene Berufsausbildung gilt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland nicht (IHK Rostock). Der Stundenlohn kann also niedriger sein. Das ist kein Grund zur Sorge, sollte aber in die Planung einfließen.
  • Lohnsteuer: Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro im Jahr (Datensammlung BMF via sozialpolitik-aktuell.de). Wurde trotzdem Lohnsteuer einbehalten, kann sich eine Steuererklärung lohnen. Ob und wie viel zurückkommt, hängt vom Einzelfall ab.

Wichtig: Geplant wird immer mit dem Nettobetrag, der tatsächlich auf dem Konto landet.

Achte auch auf den Zeitpunkt. Das erste Gehalt kommt oft erst Ende des Monats, nachdem schon Wochen gearbeitet wurde. Wie man diese Zeit überbrückt, steht im Beitrag Die Lücke bis zum ersten Gehalt budgetieren.

Schritt 2: Das passende Konto klären

Ein eigenes Konto macht das Gehalt greifbar. In Deutschland laufen Girokonten für Minderjährige in der Regel nur auf Guthabenbasis, also ohne Dispo. Für die Eröffnung braucht es die Zustimmung der Eltern (Verbraucherzentrale). Für das Lernen ist das ein Vorteil: Ausgegeben werden kann nur, was da ist.

Gut zu wissen: Hast du deinem minderjährigen Kind erlaubt, ein Arbeitsverhältnis einzugehen, darf es Geschäfte rund um dieses Arbeitsverhältnis grundsätzlich selbst regeln (§ 113 BGB). Das ist ein guter Anlass, Verantwortung auch bewusst abzugeben.

Schritt 3: Das Gehalt auf drei bis vier Töpfe verteilen

Für den Einstieg braucht es kein kompliziertes System. Drei oder vier Töpfe genügen:

  1. Feste Ausgaben: Handyvertrag, Fahrkarte, Abos, eventuell ein vereinbarter Beitrag zum Haushalt
  2. Sparen: für ein konkretes Ziel und/oder einen kleinen Notgroschen
  3. Frei verfügbar: Ausgehen, Kleidung, Hobbys, ohne Rechtfertigung
  4. (optional) Größere Wünsche: zum Beispiel Führerschein, Laptop oder Reise

Hypothetisches Beispiel: Eine Schülerin bekommt aus ihrem Minijob 400 Euro netto. Sie entscheidet sich für 60 Euro feste Ausgaben (Handy und Abo), 120 Euro für den Führerschein-Topf, 40 Euro als Notgroschen und 180 Euro zur freien Verfügung. Die Zahlen sind nur ein Beispiel. Entscheidend ist, dass dein Teenager die Aufteilung selbst festlegt und begründen kann.

Tipp: Lass den Spartopf direkt am Zahltag per Dauerauftrag füllen. Was gar nicht erst auf dem Hauptkonto bleibt, wird auch nicht nebenbei ausgegeben.

Arbeitet dein Teenager in Schichten oder mit wechselnden Stunden, schwankt das Einkommen von Monat zu Monat. Dann hilft es, mit einem vorsichtigen Grundbetrag zu planen. Mehr dazu im Playbook für Budgetierung bei unregelmäßigem Einkommen.

Schritt 4: Ein Sparziel greifbar machen

„Etwas sparen“ motiviert kaum. „In acht Monaten 960 Euro für die Fahrstunden“ dagegen schon. Hilf deinem Teenager, das Ziel in eine Monatsrate umzurechnen und den Fortschritt sichtbar zu machen, zum Beispiel mit einem Unterkonto oder einer Budget-App.

Eine Möglichkeit ist Monee. Laut Anbieter lassen sich dort eigene Kategorien anlegen, wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben erfassen und Restbeträge in den nächsten Monat übernehmen. Die App ist kostenlos und braucht kein Konto. Sie läuft aktuell auf iPhone, iPad und Mac, eine Android-Version ist angekündigt. Es gibt auch einen gemeinsamen Haushaltsmodus. Sprich aber vorher ab, ob dein Teenager seine Ausgaben überhaupt mit dir teilen möchte. Ein eigener Bereich, den nur er sieht, kann mehr Verantwortung fördern als Kontrolle.

Schritt 5: Über Wünsche reden, nicht über Verbote

Der freie Topf ist da, um ausgegeben zu werden. Statt einzelne Käufe zu bewerten, stell lieber Fragen:

  • „Wie viele Arbeitsstunden steckt in diesen Sneakern?“
  • „Gibt es eine günstigere Variante, die dir genauso gefällt?“
  • „Willst du das in einer Woche noch?“

Wer modebewusst ist, findet Anregungen im Beitrag zum Dupe-First-Shopping-Budget.

Ein weiteres Gesprächsthema sind Bitten aus dem Freundeskreis oder von Geschwistern, Geld zu leihen. Eine einfache Regel dafür findest du unter Geld an Familie verleihen? Eine einfache Budget-zuerst-Regel.

Schritt 6: Nach einem Monat gemeinsam zurückschauen

Plant 15 Minuten für einen kurzen Rückblick ein, am besten kurz vor dem nächsten Zahltag:

  • Was ist vom Geld übrig geblieben?
  • Wo war mehr nötig als gedacht, wo weniger?
  • Soll die Aufteilung für den nächsten Monat angepasst werden?

War der freie Topf nach zehn Tagen leer, ist das kein Scheitern, sondern eine wertvolle Erfahrung. Bei 400 Euro ist so ein Fehler deutlich günstiger als später bei der ersten eigenen Miete. Widersteh dem Impuls, sofort auszuhelfen. Eine kleine Lücke, die dein Teenager selbst überbrückt, bringt oft mehr als jeder Vortrag.

Häufige Stolpersteine und wie ihr sie umgeht

  • Schleichende Abos: Streaming, Spiele, Cloud-Speicher. Einmal im Monat gemeinsam die Abbuchungen durchgehen.
  • In-App-Käufe: Kleine Beträge summieren sich. Ein fester Monatsbetrag dafür schafft Klarheit.
  • Alles sofort sparen wollen: Zu strenge Regeln halten selten lange. Ein spürbarer freier Anteil gehört dazu.
  • Eltern als Bank: Wenn du regelmäßig Lücken füllst, lernt dein Teenager vor allem, dass das Budget nicht ernst gemeint ist.

Mit Blick auf später

Wer mit dem ersten Gehalt Töpfe anlegt, Ziele setzt und monatlich zurückschaut, hat das Wichtigste schon gelernt. Für den Auszug kommen dann vor allem höhere Beträge und neue Kategorien hinzu. Eine passende Vorlage gibt es im Beitrag Budget für die erste Wohnung: Eine 7-Kategorien-Startvorlage.

Du musst kein Finanzprofi sein, um deinem Teenager hier zu helfen. Interesse, gute Fragen und die Bereitschaft, ihn auch mal Fehler machen zu lassen, reichen völlig aus.

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