Erst leihen, dann kaufen? Eine Sparregel

Author Elena

Elena

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Manchmal kostet uns nicht der große Urlaub das meiste Geld, sondern die kleinen „Ach komm, brauchen wir bestimmt“-Käufe zwischendurch.

Der Entsafter, der nach zwei Wochen hinten im Schrank steht. Die Kinder-Inliner in Größe 31, die genau einen Frühling lang spannend waren. Das Raclette-Gerät, das wir unbedingt für Silvester brauchten und seitdem jedes Jahr beim Aufräumen schuldbewusst ansehen. Genau dafür habe ich mir eine einfache Regel angewöhnt: Wenn wir etwas nicht regelmäßig brauchen, leihen wir es erst, bevor wir es kaufen.

Ja, das braucht manchmal zehn Minuten Organisation. Nein, es wird euer Familienbudget nicht über Nacht retten. Aber bei uns hat diese Regel überraschend oft verhindert, dass 40, 80 oder 180 Euro einfach in der Wohnung herumliegen.

Die schnelle Version

Wenn ihr gerade zwischen Kaufen und Nicht-Kaufen hängt, fragt euch:

  1. Brauchen wir das mehr als dreimal im Jahr?
  2. Können wir es für unter 10 Euro leihen oder kostenlos bekommen?
  3. Wissen wir schon sicher, dass es zu unserem Alltag passt?
  4. Haben wir Platz dafür?
  5. Würden wir es auch kaufen, wenn es nicht gerade im Angebot wäre?

Wenn ihr zwei oder mehr Fragen mit „nein“ beantwortet: erst leihen.

Warum Kaufen sich oft vernünftiger anfühlt

Ich verstehe den Impuls total. Man steht im Laden oder scrollt abends auf dem Sofa und denkt: „Wenn wir das jetzt kaufen, sind wir vorbereitet.“ Eltern lieben vorbereitet sein. Wir haben Pflaster, Ersatzsocken, Snacks und manchmal sogar ein Mini-Lego-Teil in der Jackentasche.

Aber vorbereitet sein ist nicht dasselbe wie besitzen.

Bei uns war der Klassiker: eine große Fahrradanhänger-Diskussion. Wir dachten, wir brauchen unbedingt einen eigenen. Zwei Kinder, Stadtverkehr, Einkäufe, Ausflüge. Klang logisch. Kostenpunkt gebraucht etwa 350 Euro, neu eher 700 Euro aufwärts.

Dann haben wir einen für ein Wochenende ausgeliehen. Aha-Moment: Für lange Ausflüge super. Für unseren Alltag im Münchner Viertel? Zu sperrig im Keller, nervig an engen Stellen, und meistens waren wir mit Kindersitzen schneller. Wir haben nicht gekauft. Ersparnis: realistisch mindestens 300 Euro.

Nicht glamourös. Aber sehr wirksam.

Meine einfache Sparregel

Wenn ein Gegenstand mehr als 50 Euro kostet und wir ihn nicht mindestens monatlich nutzen würden, versuchen wir zuerst zu leihen.

Das ist unsere Familienregel. Ihr könnt die Grenze natürlich anpassen. Für manche Haushalte sind 30 Euro sinnvoller, für andere 100 Euro. Wichtig ist nicht die perfekte Zahl, sondern dass ihr eine Bremse zwischen Wunsch und Kauf einbaut.

Beispiele, bei denen Leihen oft Sinn macht:

  • Werkzeuge wie Bohrmaschine, Schleifgerät, Hochdruckreiniger
  • Baby- und Kleinkindsachen wie Reisebett, Kraxe, Babywippe
  • Sportausrüstung wie Ski, Schlittschuhe, Inliner, Tennisschläger
  • Küchengeräte wie Eismaschine, Dörrautomat, Fondue-Set
  • Party- und Feiertagszeug wie Bierzeltgarnitur, Kostüme, Extra-Geschirr

Basierend auf einer Familie mit zwei Kindern in einer deutschen Stadt können hier schnell 200 bis 600 Euro im Jahr zusammenkommen. Nicht als perfekte Sparfantasie, sondern weil man drei bis fünf mittelgroße Fehlkäufe vermeidet.

Wo man Dinge leihen kann

Ich fange meistens sehr unspektakulär an:

  • Nachbarn oder Hausgruppe
  • Freundeskreis mit Kindern
  • Bibliothek der Dinge, falls es sie bei euch gibt
  • Kleinanzeigen mit Mietangeboten
  • Sportgeschäfte für Saisonartikel
  • Baumärkte für Werkzeug
  • Familienzentren oder Elterninitiativen

Was bei uns nicht gut funktioniert hat: Dinge „halb offiziell“ von Leuten leihen, die sehr empfindlich mit ihren Sachen sind. Das ist Stress, den ich nicht brauche. Dann zahle ich lieber 10 oder 15 Euro Leihgebühr und weiß, woran ich bin.

Die Rechnung, die ich vor dem Kauf mache

Ich rechne nicht kompliziert. Ich nehme nur diese Formel:

Kaufpreis geteilt durch realistische Nutzungen pro Jahr.

Beispiel: Ein Waffeleisen kostet 60 Euro. Wenn wir es sechsmal im Jahr nutzen, kostet jede Nutzung im ersten Jahr 10 Euro. Klingt okay, wenn wir wirklich Waffelmenschen sind. Wenn es aber nur zweimal genutzt wird, sind es 30 Euro pro Waffelrunde. Da kann ich auch fertige Waffeln kaufen und habe weniger Teig auf dem Boden.

Oder Kinder-Ski: Kaufen kostet gebraucht vielleicht 120 Euro plus Schuhe. Leihen für eine Woche kostet vielleicht 50 bis 80 Euro. Wenn das Kind wächst und wir nur einmal im Jahr fahren, ist Leihen oft entspannter.

Das Gespräch, wenn jemand kaufen will

Bei uns sind Geldgespräche besser geworden, seit wir weniger „Nein“ sagen und mehr „Lass es testen“ sagen.

Copy-paste für den Partner oder die Partnerin:

„Ich sehe, warum du das kaufen willst. Können wir es einmal leihen oder gebraucht testen, bevor wir 100 Euro ausgeben? Wenn wir es danach wirklich nutzen, bin ich dabei.“

Für Kinder:

„Ich glaube dir, dass du das gerade unbedingt möchtest. Wir probieren es erst aus. Wenn es in zwei Wochen immer noch wichtig ist und du es wirklich nutzt, schauen wir weiter.“

Für die Schwiegereltern, die gern große Sachen schenken:

„Das ist total lieb. Wir merken gerade, dass wir große Dinge lieber erst testen, weil bei uns der Platz knapp ist. Vielleicht können wir es erst ausleihen und dann entscheiden?“

Wo Kaufen trotzdem besser ist

Ich leihe nicht alles. Sachen, die wir ständig benutzen, kaufe ich lieber in guter Qualität. Schulranzen, passende Schuhe, ein zuverlässiger Kinderwagen, Fahrradhelme, Matratzen: Da geht es nicht nur ums Sparen.

Auch Hygiene und Sicherheit zählen. Einen gebrauchten Helm nach unbekanntem Sturz? Nein. Eine ausgeliehene Babyschale ohne klare Vorgeschichte? Würde ich nicht machen.

Die Regel soll helfen, nicht nerven.

Wie wir den Überblick behalten

Was mir geholfen hat: Wir schreiben größere Familienausgaben auf, bevor wir kaufen. Nicht perfekt, nicht täglich mit Kerze und Tee, sondern praktisch. In Monee tracken wir solche Ausgaben als Haushaltsposten. Besonders hilfreich ist, dass beide sehen, was schon bezahlt wurde. Kein „Hast du die Skihose überwiesen?“ mehr zwischen Tür und Abendessen.

Der eigentliche Effekt ist: Man sieht endlich, wo das Geld hingeht. Und dann merkt man schneller, welche Käufe wirklich Alltag lösen und welche nur kurz ein gutes Gefühl machen.

Screenshot-Checkliste

  • Kostet es mehr als unsere persönliche Kaufgrenze?
  • Nutzen wir es mindestens einmal im Monat?
  • Können wir es kostenlos oder günstig leihen?
  • Haben wir Platz dafür?
  • Ist es sicher und hygienisch gebraucht oder geliehen?
  • Würden wir es auch ohne Rabatt kaufen?
  • Können wir es erst 7 bis 14 Tage testen?
  • Gibt es eine günstigere gebrauchte Option?
  • Wer kümmert sich um Pflege, Rückgabe oder Lagerung?
  • Wenn wir es nicht kaufen: Was ist der echte Nachteil?

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