Freunde bewirten, ohne zu viel auszugeben

Author Maya & Tom

Maya & Tom

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Wer schon mal „Kommt einfach alle vorbei, wir machen’s ganz entspannt“ gesagt hat und danach mit viel zu vollem Einkaufswagen an der Kasse stand, weiß: Gemütlich kann überraschend teuer werden. Genau deshalb lohnt sich ein Plan, der sich nicht nach Spaßbremse anfühlt, sondern nach weniger Stress, weniger stiller Genervtheit und mehr echter Gastgeberfreude.

Wir haben das auf die unnötig komplizierte Art gelernt. Erst dachten wir: Ach, wir kaufen einfach locker ein, wird schon passen. Spoiler: Wird es oft nicht. Irgendwie landen dann doch noch besondere Snacks im Korb, mehr Getränke als nötig, „für alle Fälle“ noch was zum Nachtisch und plötzlich ist aus einem netten Abend ein kleiner Event geworden. Nicht dramatisch, aber eben auch nicht das, was wir vorher im Kopf hatten.

Was uns geholfen hat: Hosting nicht wie eine spontane Gefälligkeit behandeln, sondern wie eine gemeinsame Entscheidung. Nicht steif, eher klar. Sobald wir vorher kurz besprechen, was der Abend sein soll, geben wir automatisch sinnvoller aus.

Die wichtigste Frage ist bei uns nicht: Was kostet das? Sondern: Was wollen wir eigentlich ausrichten? Ein lockerer Spieleabend braucht ein anderes Budget als ein langes Dinner. Tom ist eher Team „Hauptsache genug da, dann ist es gastfreundlich“. Ich finde: Niemand fühlt sich weniger willkommen, nur weil es keine fünf Sorten irgendwas gibt. Oft ist das Problem nicht Geiz, sondern dass man ohne klares Bild einkauft.

Darum starten wir mit einer einfachen Einteilung. Hier sind drei faire Wege, wie Paare das handhaben können:

  1. Der feste Gastgeber-Rahmen
    Wir legen vorher einen groben Rahmen fest: einfacher Abend, mittlerer Aufwand oder besonderer Anlass. Nicht in Zahlen, sondern in Aufwand. Einfach heißt: wenige Zutaten, unkompliziert, kein Showprogramm. Mittlerer Aufwand: etwas mehr Auswahl, aber weiterhin überschaubar. Besonderer Anlass: bewusst mehr, aber eben absichtlich und nicht aus Versehen.

  2. Die Rollen-Aufteilung
    Einer plant das Essen, der andere achtet auf den Rahmen. Das funktioniert gut, wenn eine Person schnell in „Ach, das wäre auch noch schön“ abrutscht. Bei uns bin meistens ich die, die fragt: Brauchen wir das wirklich oder klingt es nur nett? Tom findet das manchmal unromantisch. Ich finde überraschende Kreditkartenmomente unromantischer.

  3. Das Mitbring-Modell
    Gerade bei größeren Runden ist es völlig okay, nicht alles selbst zu stemmen. Wir sagen dann einfach früh Bescheid: „Wir kümmern uns um den Hauptteil, wenn ihr mögt, bringt gerne Getränke, Brot oder Nachtisch mit.“ Das nimmt Druck raus und macht den Abend oft sogar lockerer.

Wichtig ist, dass ihr als Paar vorher klärt, was sich fair anfühlt. Nicht nur organisatorisch, sondern emotional. Denn Streit entsteht selten wegen Chips oder Pasta. Streit entsteht, wenn eine Person das Gefühl hat, immer mitzudenken, einzukaufen, vorzubereiten und am Ende auch noch aufzuräumen, während die andere sagt: „War doch ein schöner Abend.“

Diese Fragen helfen uns vor jedem Gastgeber-Abend:

  • Soll es eher praktisch oder besonders sein?
  • Wollen wir alles selbst übernehmen oder etwas aufteilen?
  • Wer kümmert sich worum?
  • Was ist uns wichtig: viel Auswahl, wenig Aufwand oder wenig Nachdenken?
  • Wollen wir Reste einplanen oder eher knapp und einfach halten?

Und ja, man darf das laut aussprechen. Zum Beispiel so:

„Lass uns diesmal bewusst einfach planen, damit es entspannt bleibt.“ „Ich hab keine Lust, dass wir wieder viel zu viel holen.“ „Mir ist wichtig, dass wir vorher absprechen, was wir übernehmen und was nicht.“ „Wollen wir die Freunde bitten, etwas mitzubringen, damit es locker bleibt?“ „Ich möchte Gastgeber sein, aber nicht das Gefühl haben, dass es an uns hängen bleibt.“

Wenn ihr euch uneinig seid, hilft oft ein Perspektivwechsel. Statt darüber zu diskutieren, wer recht hat, fragt lieber: Was wollen wir beide vermeiden? Bei uns sind das meistens zwei Dinge: peinliches Knausern und heimliches Übertreiben. Dazwischen liegt erstaunlich viel guter Spielraum.

Praktisch hilft uns außerdem, den Abend in Kategorien zu denken: Essen, Getränke, Extras, Aufwand. So merken wir schneller, wo wir übertreiben. Oft ist es nämlich nicht das eigentliche Essen, sondern das ganze Drumherum. Noch Kerzen, noch besondere Sachen, noch eine spontane Zusatzidee. Plötzlich veranstaltet man unabsichtlich ein kleines Festival im Wohnzimmer.

Wenn ihr regelmäßig Leute da habt, lohnt sich gemeinsame Übersicht besonders. Nicht, um jeden Keks zu kontrollieren, sondern damit ihr beide dasselbe Bild habt. Genau da ist geteiltes Tracking hilfreich: weniger Annahmen, weniger „Ich dachte, das fällt gar nicht so ins Gewicht“, weniger unangenehme Nachbesprechungen. Wenn beide sehen, was rund um Gastgeber-Abende so anfällt, wird Planung viel sachlicher und viel weniger persönlich.

Unser ehrlichster Tipp: Großzügigkeit muss nicht bedeuten, alles allein zu tragen. Gäste erinnern sich fast nie daran, ob es maximal beeindruckend war. Sie erinnern sich daran, ob es entspannt war. Und entspannt seid ihr meistens dann, wenn ihr euch als Paar vorher nicht schon still in eine kleine Geld- und Organisationskrise manövriert habt.

Wenn sich das schwer anfühlt, startet hier: Sprecht vor der nächsten Einladung nur über drei Dinge. Wie aufwendig soll es werden, wer übernimmt was und ob Gäste etwas mitbringen sollen. Mehr braucht es für den Anfang oft gar nicht.

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