Niemand will wegen 2,49 € Liefergebühr schlechte Stimmung am WG-Tisch haben, aber genau da wird es manchmal überraschend kompliziert.
Ich dachte früher immer: „Ach, wir teilen einfach alles durch alle.“ Klingt fair, oder? Bis eine Person nur Pommes für 4 € bestellt, jemand anders ein Menü plus Nachtisch für 22 €, und dann alle gleich viel Liefergebühr zahlen sollen. Ist das noch fair? Oder einfach nur bequem?
Ich habe das ein paar Mal mit Freund:innen ausprobiert, weil Gruppenbestellungen bei uns im Studium irgendwie ständig passieren: Lernabend, Filmabend, „Ich hab keine Kraft mehr zu kochen“-Abend. Und jedes Mal kam kurz dieser Mini-Moment: Wer zahlt jetzt was? Wer legt aus? Teilen wir die Lieferkosten gleichmäßig? Nach Bestellwert? Gar nicht so dramatisch, aber eben nervig.
Hier sind die Methoden, die für mich am besten funktioniert haben. Nicht perfekt-mathematisch, eher alltagstauglich.
Methode 1: Liefergebühr einfach durch alle teilen
Das ist die schnellste Variante:
Liefergebühr ÷ Anzahl der Personen
Beispiel:
Liefergebühr: 3,99 €
Personen: 4
Jede Person zahlt ungefähr 1 €
Das ist super, wenn alle ähnlich viel bestellen. Also zum Beispiel alle holen sich eine Bowl, Pizza oder ein Gericht im gleichen Preisbereich.
Wann es gut funktioniert:
- Alle bestellen ungefähr gleich viel
- Niemand hat nur eine Kleinigkeit
- Ihr wollt es schnell und unkompliziert halten
- Es geht um kleine Lieferkosten
Wann es sich komisch anfühlen kann:
- Eine Person bestellt nur ein Getränk
- Eine Person bestellt für 25 €, andere für 8 €
- Es gibt zusätzlich Servicegebühren oder kleine Zuschläge
Mein Fazit: Für WG-Abende mit ähnlich großen Bestellungen absolut okay. Für gemischte Bestellungen manchmal ein bisschen unfair.
Methode 2: Liefergebühr nach Bestellwert aufteilen
Das klingt erstmal nach Excel-Vibes, ist aber eigentlich logisch: Wer mehr bestellt, übernimmt auch einen größeren Anteil der Lieferkosten.
Beispiel:
- Person A bestellt für 10 €
- Person B bestellt für 20 €
- Person C bestellt für 30 €
Gesamtbestellung: 60 €
Liefergebühr: 6 €
Dann zahlt:
- Person A: 1 €
- Person B: 2 €
- Person C: 3 €
Weil A ein Sechstel der Bestellung hat, B ein Drittel und C die Hälfte.
Das ist fairer, wenn die Bestellungen sehr unterschiedlich sind. Aber ja, es braucht einen kleinen Moment Rechnen. Ich habe dafür einmal kurz den Taschenrechner genommen und es war weniger schlimm als gedacht.
Die einfache Formel:
Eigener Bestellwert ÷ Gesamtbestellwert × Liefergebühr
Also zum Beispiel:
20 € ÷ 60 € × 6 € = 2 €
Wann es gut funktioniert:
- Unterschiedliche Bestellgrößen
- Eine Person bestellt für mehrere mit
- Es gibt hohe Lieferkosten
- Ihr wollt Diskussionen vermeiden
Wann es nervt:
- Wenn alle hungrig sind und niemand rechnen will
- Wenn es um Centbeträge geht
- Wenn die App schon verwirrend genug ist
Mein „good enough“-Trick: Auf 10 oder 50 Cent runden. Niemand braucht eine Überweisung über 1,37 €, wenn ihr euch nicht danach fühlt.
Methode 3: Eine Person übernimmt die Liefergebühr
Das habe ich zuerst unfair gefunden, aber manchmal ist es total praktisch. Zum Beispiel, wenn eine Person sowieso vorgeschlagen hat zu bestellen oder die App-Gutscheine nutzt.
Beispiel:
„Ich bestelle heute, ich übernehme die Liefergebühr, ihr zahlt einfach euer Essen.“
Das funktioniert gut, wenn es freiwillig ist. Nicht, wenn immer dieselbe Person hängen bleibt.
Eine Variante davon: Ihr wechselt euch ab. Beim nächsten Mal übernimmt jemand anderes die Liefergebühr oder gibt ein Getränk aus. Nicht super genau, aber sozial oft entspannter.
Wann es gut funktioniert:
- Ihr bestellt regelmäßig zusammen
- Die Liefergebühr ist klein
- Ihr vertraut euch
- Ihr wollt keine Mini-Abrechnung machen
Wann es nicht gut ist:
- Wenn immer dieselbe Person zahlt
- Wenn manche selten dabei sind
- Wenn die Liefergebühr ziemlich hoch ist
Ich finde diese Methode gut für enge Freund:innen oder WGs, aber nicht für größere Gruppen, wo man nicht genau weiß, ob sich das irgendwann ausgleicht.
Methode 4: Mindestbetrag pro Person festlegen
Das war für mich eine kleine Entdeckung. Vor dem Bestellen kurz sagen:
„Wollen wir nur bestellen, wenn jede Person mindestens 10 € nimmt?“
Warum? Weil Liefergebühren sich oft erst lohnen, wenn mehrere wirklich mitessen. Wenn jemand nur einen 3-€-Snack möchte, kann es sich komisch anfühlen, dieselbe Liefergebühr zu zahlen wie alle anderen.
Das ist nicht als Ausschluss gemeint. Eher als Klarheit vorher.
Beispiel:
- Ihr seid 5 Personen
- Liefergebühr plus Gebühren: 7 €
- Zwei Personen wollen nur Kleinigkeiten
Dann könnt ihr vorher entscheiden: Teilen wir trotzdem durch alle? Zahlen kleine Bestellungen weniger? Oder bestellen wir lieber woanders?
Das verhindert diese unangenehme Nachher-Situation, in der niemand etwas sagen will.
Try this in 10 Minuten: Mini-Abrechnung ohne Stress
Wenn du beim nächsten Gruppenessen keine Lust auf Chaos hast, probier das:
- Vor dem Bestellen kurz fragen: „Teilen wir Lieferkosten durch alle oder nach Bestellwert?“
- Wenn alle ähnlich viel bestellen: durch alle teilen.
- Wenn es große Unterschiede gibt: nach Bestellwert teilen.
- Auf 10 oder 50 Cent runden.
- Eine Person schreibt direkt in den Chat, wer was zahlt.
Mini-Vorlage für den Gruppenchat:
„Ich rechne kurz zusammen: Essen zahlt jede Person selbst, Liefergebühr teilen wir nach Bestellwert. Ich runde auf 50 Cent, damit es nicht nervig wird.“
Oder die einfache Version:
„Lieferung kostet 4 €. Wir sind 4 Personen, also 1 € extra pro Person.“
Klingt banal, aber genau solche kleinen Sätze sparen Diskussionen.
Was ist mit Trinkgeld?
Trinkgeld ist nochmal ein eigenes Thema. Ich finde: Wenn ihr Trinkgeld gebt, sollte es vorher klar sein und nicht einfach still auf eine Person fallen.
Ihr könnt es genauso machen wie bei der Liefergebühr:
- Gleichmäßig teilen
- Nach Bestellwert teilen
- Eine Person übernimmt freiwillig
- Aufrunden und als Gruppe zahlen
Beispiel: Wenn die Bestellung 48 € kostet und ihr auf 52 € aufrundet, sind das 4 € Trinkgeld. Bei vier Personen wäre das 1 € pro Person. Einfach, fair, fertig.
Mein persönlicher Favorit
Bei kleinen Gruppen teile ich die Liefergebühr meistens einfach durch alle. Wenn jemand deutlich weniger bestellt, rechne ich nach Bestellwert. Das fühlt sich für mich am fairsten an, ohne dass es übertrieben kompliziert wird.
Was mir dabei geholfen hat: überhaupt mal zu sehen, wohin mein Geld bei solchen Kleinigkeiten geht. Liefergebühren, Snacks, Kaffee unterwegs, spontane Bestellungen. Einzeln wirkt alles klein, zusammen merkt man es dann doch. Ich tracke solche Sachen manchmal in Monee oder einfach in einer Notiz-App, nicht streng, eher aus Neugier. Dieses „Ah, daher geht mein Geld also hin“ war ziemlich hilfreich.
Am Ende geht es nicht darum, jeden Cent perfekt zu kontrollieren. Es geht eher darum, dass sich niemand blöd fühlt. Eine faire Regel vor dem Bestellen ist meistens viel entspannter als ein komisches Gefühl danach. Kleine Klarheit, kleine Ersparnis, bessere Stimmung.

