Meistens ja. Das Vorjahresmodell lohnt sich, wenn die Neuheit nur Funktionen bringt, die du im Alltag kaum nutzt, und wenn das ältere Gerät noch lange Updates bekommt. Es lohnt sich nicht, wenn dir ein bestimmtes neues Feature wirklich fehlt oder der Preisunterschied kleiner ist, als du denkst. Ob du eher zur ersten oder zur zweiten Gruppe gehörst, zeigt dir der folgende Test.
Der Feature-Gap-Test in vier Schritten
1. Schreib die Unterschiede auf und streich ehrlich
Nimm die offizielle Vergleichsseite des Herstellers und liste alles auf, was das neue Modell besser kann. Dann streichst du jeden Punkt, bei dem du nicht sofort weißt, wann du ihn diese Woche genutzt hättest. Übrig bleibt dein echter Feature-Gap. Oft sind das zwei oder drei Punkte, manchmal auch keiner.
Ein Tipp aus dem echten Leben: Sagst du bei einem Feature „Das wäre schon nett“, dann gehört es auf die Streichliste. Nutzt du etwas nur beim Unboxing, zählt es nicht.
2. Rechne den Aufpreis pro Feature aus
Teile den Preisunterschied durch die Zahl der Features, die übrig geblieben sind.
Hypothetisches Beispiel: Das neue Modell kostet 250 Euro mehr als das Vorjahresmodell. Nach dem Streichen bleiben zwei Features, die du wirklich nutzen würdest: eine bessere Telekamera und ein etwas längerer Akku. Dann zahlst du 125 Euro pro Feature. Jetzt stellt sich die Frage: Würdest du 125 Euro für „bessere Zoomfotos“ ausgeben, wenn es das Feature einzeln zu kaufen gäbe? Wenn ja, greif zur Neuheit. Wenn nein, nimm das Vorjahresmodell.
3. Prüf, wie lange das Gerät noch Updates bekommt
Das ist der wichtigste Punkt, und viele vergessen ihn. Ein günstiges Gerät, das in zwei Jahren keine Sicherheitsupdates mehr bekommt, ist am Ende teuer.
Das spricht für ältere Modelle: Seit dem 20. Juni 2025 gelten in der EU neue Ökodesign-Regeln für Smartphones und Tablets. Hersteller müssen mindestens fünf Jahre lang Updates liefern, und zwar gerechnet ab dem Tag, an dem das Modell vom Markt genommen wird. Ersatzteile wie Akku oder Kamera müssen mindestens sieben Jahre verfügbar sein, ebenfalls ab Verkaufsende (Stiftung Warentest). Einige Hersteller versprechen von sich aus mehr, etwa sieben Jahre Updates (ComputerBase).
Eine Einschränkung gibt es: Ob die Regeln für ein bestimmtes älteres Modell gelten, hängt davon ab, wann es auf den Markt gekommen ist. Schau deshalb in die Update-Zusage des Herstellers oder auf das neue EU-Label. Dessen QR-Code führt zur EU-Produktdatenbank EPREL (Stiftung Warentest). Das Label zeigt dir außerdem Akkulaufzeit, Ladezyklen, Reparierbarkeit (Klasse A bis E) und Robustheit. So kannst du zwei Generationen direkt vergleichen.
Unabhängig davon muss der Verkäufer bei Geräten mit Software die Updates bereitstellen, die du vernünftigerweise erwarten kannst (§ 475b BGB).
4. Vergleich den echten Preis, nicht den Listenpreis
Neue Modelle werden oft schon nach wenigen Monaten günstiger. Das verkleinert den Abstand zum Vorjahresmodell. Laut einer idealo-Prognose, die auf den Preisverläufen der Vorgänger beruht, konnten die iPhone-17-Modelle innerhalb von elf Monaten um bis zu 25 Prozent günstiger werden (connect). Für das iPhone 18 Pro erwartet idealo kurz vor dem Nachfolger rund 18 Prozent Ersparnis. Nach etwa fünf Monaten sollen es rund 14 Prozent sein (iTopnews).
Das sind Prognosen und keine Garantien, und bei anderen Marken sehen die Kurven anders aus. Für dich heißt das: Vergleich immer die aktuellen Straßenpreise beider Modelle an einem Tag. Nimm nicht den UVP der Neuheit gegen den Schnäppchenpreis vom Vorjahr.
Deine Rechte: Beim Vorjahresmodell verlierst du nichts, wenn es neu ist
Ein neu gekauftes Vorjahresmodell ist rechtlich ganz normale Neuware:
- Zwei Jahre Gewährleistung ab Übergabe, gegenüber dem Händler. Das ist unabhängig davon, wann das Modell erschienen ist (Verbraucherzentrale).
- Beweislastumkehr im ersten Jahr: Zeigt sich in den ersten zwölf Monaten ein Mangel, wird vermutet, dass er schon beim Kauf da war (Verbraucherzentrale).
- Neu seit 31. Juli 2026: Entscheidest du dich bei einem Mangel für die Reparatur statt für ein Ersatzgerät, verlängert sich die Gewährleistung einmalig um ein Jahr (Verbraucherzentrale).
Achtung bei „gebraucht“ oder „refurbished“: Bei gebrauchter Ware darf der Verkäufer die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen (Verbraucherzentrale Niedersachsen). Das kann den Preisvorteil trotzdem wert sein. Du solltest es aber wissen, bevor du auf „Kaufen“ klickst.
Wann das Vorjahresmodell die falsche Wahl ist
- Ein Feature ist für dich unverzichtbar, zum Beispiel weil du beruflich filmst oder das neue Modell eine Funktion hat, die dein Alltag wirklich braucht.
- Der Preisabstand ist geschrumpft. Kostet die Neuheit nach ein paar Monaten nur noch wenig mehr, bekommst du für den Aufpreis ein Jahr mehr Lebensdauer.
- Das Update-Ende ist schon absehbar. Kommt das ältere Modell nur noch kurz mit Updates aus, schrumpft der Rabatt pro Nutzungsjahr schnell.
- Du behältst Geräte sehr lange. Wer ein Handy sechs Jahre nutzt, rechnet anders als jemand, der alle zwei Jahre wechselt.
Zu zweit kaufen: Der Feature-Gap zwischen euch beiden
Jetzt wird es menschlich. Kauft ihr als Paar ein Gerät aus der gemeinsamen Kasse, gibt es oft zwei Feature-Gaps: einen zwischen den Modellen und einen zwischen euch. Die eine Person will „das Neue, weil die Kamera“. Die andere fragt, wann zuletzt ein Foto gemacht wurde, das nicht die eigene Einkaufsliste zeigt.
Ein paar Wege, damit das Gespräch nicht in „Du hast aber letztes Jahr die Kaffeemaschine ausgesucht“ endet:
- Macht den Streich-Test zusammen. Jede Person streicht getrennt, dann vergleicht ihr. Das ist ehrlicher als jede Diskussion.
- Trennt Basis und Upgrade. Der Preis des Vorjahresmodells kommt aus dem gemeinsamen Topf. Den Aufpreis für die Neuheit zahlt, wer sie unbedingt will. Das ist fair, und niemand muss die Telekamera verteidigen.
- Schreibt es auf. Größere Anschaffungen geraten schnell in Vergessenheit, bis zur nächsten Diskussion. Ein gemeinsames Haushaltsbuch hilft dabei. Die App Monee richtet sich zum Beispiel an Singles, Paare und Familien. Du kannst Personen einladen, eigene Kategorien anlegen, wiederkehrende Ausgaben erfassen und Buchungen nach den beteiligten Personen filtern. Das ist praktisch, wenn ihr ein Gerät in Raten oder über einen Vertrag bezahlt. Monee ist laut App Store kostenlos und bietet freiwillige Unterstützungskäufe an. Kosten aufteilen oder Salden ausgleichen gehört laut App-Beschreibung nicht zu den Funktionen. Wer „Wer schuldet wem wie viel“ genau ausrechnen will, macht das separat.
Kurz-Checkliste
| Frage | Spricht fürs Vorjahresmodell | Spricht für die Neuheit |
|---|---|---|
| Wie viele neue Features nutzt du wirklich? | 0–1 | 2 oder mehr, die dir wichtig sind |
| Aufpreis pro genutztem Feature | Würdest du einzeln nicht zahlen | Würdest du einzeln zahlen |
| Update-Zusage | Noch viele Jahre | Läuft beim alten Modell bald aus |
| Aktueller Preisabstand | Deutlich | Klein, weil die Neuheit schon günstiger ist |
| Zustand | Neuware (2 Jahre Gewährleistung) | – |
| Gemeinsame Kasse | Beide sind einverstanden | Upgrade zahlt, wer es will |
Kurz gesagt: Im Feature-Gap-Test gewinnt meistens das Vorjahresmodell. Das liegt nicht daran, dass Neues schlecht ist. Die meisten Unterschiede spielen im Alltag einfach keine große Rolle, und mit langen Update-Pflichten ist ein älteres Gerät heute kein Auslaufmodell mehr.

