Ein gemeinsames Bankkonto wird oft als der "nächste logische Schritt" verkauft. Aber seien wir ehrlich: Es bedeutet Papierkram, oft neue Gebühren und noch eine PIN, die man sich merken muss. Für viele Paare oder WGs ist das völlig unnötig.
Alles, was Sie wirklich brauchen, ist ein System, das so langweilig ist, dass es einfach funktioniert.
Hier ist die Regel: Die "Schatzmeister"-Methode.
Die Regel im Detail
Bestimmen Sie eine Person zum "Schatzmeister". Diese Person bezahlt alle fixen, gemeinsamen Rechnungen (Miete, Internet, Strom, Versicherungen) von ihrem bestehenden Girokonto.
Die andere Person richtet einen einzigen, automatischen Dauerauftrag ein, der ihren Anteil an diesen Kosten deckt. Dieser Betrag geht jeden Monat kurz nach Gehaltseingang auf das Konto des Schatzmeisters.
Fertig. Keine Diskussionen am Monatsende, kein Hin- und Herüberweisen von Kleinstbeträgen.
Pocket-Card: Die Schatzmeister-Methode
| Kategorie | Inhalt |
|---|---|
| Die Regel | Einer zahlt die Rechnungen, der andere überweist seinen Anteil per Dauerauftrag pauschal. |
| Wann nutzen? | Wenn Sie regelmäßige Fixkosten haben, die sich selten ändern (Miete, Internet). |
| Wann nicht? | Wenn Ihre Ausgaben jeden Monat extrem schwanken oder das Vertrauen noch nicht gefestigt ist. |
| Anpassung | Nutzen Sie eine App für variable Kosten (wie Lebensmittel) und gleichen Sie diese separat einmal im Monat aus. |
Szenarien aus der Praxis
Wie sieht das mit echten Zahlen aus? Hier sind zwei Beispiele ohne Währungssymbole, nur mit Verhältnissen.
Szenario 1: Die faire 50/50-Aufteilung Alex und Kim verdienen ähnlich gut. Die Miete und alle Nebenkosten summieren sich auf eine Gesamtsumme von 1000 Einheiten. Alex ist der Schatzmeister und lässt alles abbuchen. Kim richtet einen Dauerauftrag über 500 Einheiten ein. Das Konto ist ausgeglichen.
Szenario 2: Die proportionale Lösung Lou verdient deutlich mehr als Mika. Sie einigen sich darauf, dass Lou 70 % der Kosten trägt und Mika 30 %. Die Fixkosten betragen wieder 1000 Einheiten. Lou (Schatzmeister) zahlt die Rechnungen. Mika überweist per Dauerauftrag einfach 300 Einheiten an Lou.
Szenario 3: Puffer einbauen Die Kosten liegen bei 1000, aber einmal im Jahr kommt eine dicke Nachzahlung. Beide beschließen, die monatliche Einzahlungssumme um 10 % zu erhöhen. Mika überweist also monatlich 110 % des eigentlichen Anteils. Der Überschuss bleibt auf Lous Konto als Rücklage liegen.
Wo das System bricht (und wie man es repariert)
Diese Methode ist genial für Fixkosten, scheitert aber oft bei variablen Ausgaben wie Lebensmitteln oder spontanen Anschaffungen. Ein Dauerauftrag kann nicht wissen, dass Sie diesen Monat dreimal Essen bestellt haben.
Die sicherere Variante: Trennen Sie Fixkosten und variable Kosten strikt. Nutzen Sie die Schatzmeister-Methode ausschließlich für Miete und Verträge. Für den Supermarkt und Freizeit nutzen Sie eine einfache Split-App (wie Splitwise oder Tricount). Einer trägt die Ausgaben dort ein, am Ende des Monats sagt die App, wer wem wie viel schuldet. Dieser Ausgleich erfolgt separat vom Dauerauftrag.
Häufige Fehler
- Jahresrechnungen vergessen: Viele vergessen, dass Rundfunkbeiträge oder Versicherungen oft quartalsweise oder jährlich kommen. Rechnen Sie diese auf einen Monatsbetrag herunter und addieren Sie sie zum Dauerauftrag.
- Kein "Kassensturz"-Datum: Legen Sie fest, wann Anpassungen gemacht werden (z. B. wenn die Miete steigt). Einmal im Jahr reicht meistens.
- Stille Annahmen: Gehen Sie nicht davon aus, dass 50/50 immer fair ist. Klären Sie das Verhältnis (nach Gehalt oder Köpfen), bevor der Dauerauftrag eingerichtet wird.

