Die fairste Lösung ist in den meisten Fällen die tageweise Abrechnung: Jede Person zahlt für die Tage, an denen sie wirklich in der Wohnung gewohnt hat. Das klingt nach viel Mathe, ist aber mit einem Taschenrechner in zwei Minuten erledigt. Schwieriger wird es oft woanders: bei Stromabschlägen, dem Internetvertrag oder der Frage, wem die halbe Packung Waschmittel gehört. Hier ist der Ablauf Schritt für Schritt.
Schritt 1: Klärt zuerst, was im Mietvertrag steht
Bevor ihr rechnet, schaut euch an, wer eigentlich im Vertrag steht. Das entscheidet darüber, wer gegenüber dem Vermieter zahlen muss:
- Alle stehen im Hauptmietvertrag: Ihr haftet meist gemeinsam für die volle Miete. Zieht jemand aus, ist er deshalb nicht automatisch raus. Das muss mit dem Vermieter geregelt werden.
- Eine Person ist Hauptmieter, die anderen sind Untermieter: Dann regelt ihr die Aufteilung untereinander, und der Untermietvertrag ist entscheidend.
Wichtig ist auch die Kündigungsfrist. Für Mieter gilt laut Gesetz: Die Kündigung ist „spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats zulässig“ (§ 573c BGB). Für bestimmte möblierte Zimmer in der Wohnung des Vermieters gelten kürzere Fristen (ebenda, Abs. 3). Ein Auszug zur Monatsmitte heißt also nicht automatisch, dass die Zahlungspflicht zur Monatsmitte endet. Oft ist er eine private Absprache in der WG, etwa weil die Nachfolge schon feststeht.
Schritt 2: Miete tageweise berechnen
Die Formel ist einfach:
Monatsmiete ÷ Tage im Monat × bewohnte Tage = Anteil
Hypothetisches Beispiel: Ein WG-Zimmer kostet 450 € im Monat. Lena zieht am 15. September aus, Jonas zieht am 16. ein. Der September hat 30 Tage.
- Tagessatz: 450 € ÷ 30 = 15 €
- Lena: 15 Tage × 15 € = 225 €
- Jonas: 15 Tage × 15 € = 225 €
Legt vorher fest, wer den Umzugstag bezahlt. Sonst zahlt ihn entweder niemand oder beide. Eine einfache Regel: Wer am Tag nach 12 Uhr noch im Zimmer ist, zahlt ihn.
Alternative: Manche WGs rechnen pauschal mit 30 Tagen pro Monat, egal ob Februar oder Oktober. Das ist weniger genau, aber leichter zu merken. Hauptsache, alle wissen vorher, welche Methode gilt.
Schritt 3: Nebenkosten und Verträge sauber trennen
Hier entstehen die meisten Missverständnisse, weil viele Kosten nicht monatlich exakt feststehen.
Strom und Gas: Monatliche Abschläge könnt ihr genauso tageweise teilen wie die Miete. Die echte Abrechnung kommt aber oft erst Monate später. Klärt deshalb jetzt:
- Notiert den Zählerstand am Auszugstag und macht ein Foto davon.
- Vereinbart schriftlich, ob die ausziehende Person an einer Nachzahlung beteiligt wird oder eine Rückzahlung anteilig bekommt.
Betriebskostenabrechnung: Auch sie kommt meist erst im Folgejahr. Wer auszieht, sollte eine Adresse hinterlassen, damit ihr später anteilig abrechnen könnt, oder ihr einigt euch auf eine Pauschale.
Internet und Streaming: Steht der Vertrag auf der ausziehenden Person, braucht es eine klare Übergabe. Entweder übernimmt jemand den Vertrag, oder die Nachfolge zahlt den Anteil an sie weiter, bis er ausläuft.
Rundfunkbeitrag: Pro Wohnung wird ein Beitrag fällig. Wenn die Person zieht, die angemeldet ist, muss jemand anderes übernehmen. Klärt das direkt, damit es später keine Mahnungen gibt.
Schritt 4: Gemeinsame Vorräte und Anschaffungen
Klopapier, Olivenöl, Spülmittel: Kleinkram lohnt kaum eine Einzelabrechnung. Viele WGs machen einen klaren Schnitt: Was da ist, bleibt da, und die Haushaltskasse wird zum Auszugstag ausgeglichen.
Bei größeren Anschaffungen wie Staubsauger, Waschmaschine oder Sofa gibt es drei faire Wege:
- Die ausziehende Person nimmt ihren Teil mit.
- Die Verbleibenden kaufen ihren Anteil zum Zeitwert ab.
- Die neue Person übernimmt den Anteil.
Schritt 5: Kaution und Ablöse nicht vergessen
Hat die ausziehende Person Kaution gezahlt, gibt es zwei übliche Varianten. Entweder die Nachfolge zahlt ihr den Betrag direkt aus, oder die Kaution bleibt beim Vermieter und wird erst beim Ende des gesamten Mietverhältnisses verrechnet. Das erste ist in WGs meist praktischer. Haltet in jedem Fall fest, in welchem Zustand das Zimmer übergeben wurde. Fotos mit Datum reichen oft schon.
Schritt 6: Alles schriftlich festhalten
Ein kurzes Übergabeprotokoll erspart viel Ärger. Es muss nicht förmlich sein, eine geteilte Notiz reicht. Rein gehören:
- Auszugs- und Einzugsdatum
- Berechneter Mietanteil pro Person
- Zählerstände mit Foto
- Regelung zu späteren Nachzahlungen oder Rückzahlungen
- Kaution: wer zahlt was an wen
- Übernommene Verträge und Gegenstände
- Unterschrift oder Bestätigung per Nachricht von allen Beteiligten
Hilfe durch Apps
Wer ohnehin die WG-Finanzen digital führt, kann sich die Übergabe einfacher machen. Das Haushaltsbuch Monee ist laut App-Store-Beschreibung für Familien, WGs und andere Gruppen gedacht. Man kann Personen einladen, wiederkehrende Ausgaben anlegen und Buchungen nach beteiligten Personen filtern. Das hilft, zum Stichtag einen Überblick zu bekommen, wer was bezahlt hat. Beachtet aber: Monee ist vor allem ein gemeinsames Haushaltsbuch. Die tageweise Berechnung aus Schritt 2 macht ihr am besten trotzdem selbst.
Kurz zusammengefasst
- Rechnet Miete und Abschläge tageweise ab und legt vorher fest, wer den Umzugstag zahlt.
- Prüft den Mietvertrag: Gegenüber dem Vermieter gelten oft andere Regeln als eure WG-Absprache.
- Haltet Zählerstände fest und klärt, wie ihr mit späteren Abrechnungen umgeht.
- Regelt Kaution, Verträge und Möbel vor dem Auszug, nicht danach.
- Schreibt alles auf, am besten mit Zustimmung aller.
Umzüge bringen immer etwas Chaos mit. Mit klaren Zahlen und einer kurzen Notiz bleibt davon aber nichts Finanzielles übrig, über das ihr noch Monate später streiten müsst.

