Wenn etwas kaputtgeht, passiert oft beides gleichzeitig: Stress im Alltag und ein spontaner Kaufimpuls. Genau dann hilft eine einfache Regel, die schnell ist, auch mit wenig Zeit funktioniert und dich vor teuren Bauchentscheidungen schützt.
Annahmen (damit die Zahlen passen)
Stadt: München/Umfeld. Haushalt: 2 Erwachsene + 1 Kind. Stand: heute (aktuelles Preisniveau). Preise sind typische Spannen, kein „Best Case“.
Was du realistisch sparen kannst (Spanne)
- Pro Entscheidung (kleines Gerät, Kleidung, Haushalt): 20–120 €
- Pro Jahr (mehrere Entscheidungen, weniger Spontankäufe, gezieltere Reparaturen): 200–900 €
Der größte Hebel ist nicht „alles reparieren“, sondern die häufigsten Fehlentscheidungen vermeiden: teure Notkäufe, überteuerte Express-Reparaturen, oder „nur noch kurz“ ein neues Gerät finanzieren.
Die 3-Zahlen-Regel (mein einfaches System)
Du brauchst nur drei Zahlen:
- E = Ersatzkosten (Was kostet eine gute Alternative neu oder gebraucht?)
- R = Reparaturkosten (inkl. Teile, Anfahrt, Arbeitszeit)
- T = Zeit bis wieder nutzbar (Tage/Wochen) + Notlösungskosten (z. B. Waschsalon)
Dann gilt:
Regel A: Reparieren, wenn …
R ≤ 30% von E und die Reparatur mindestens 1–2 Jahre Ruhe bringt.
Warum: Unter 30% ist die Reparatur fast immer das bessere „Preis-pro-Nutzungsmonat“-Geschäft.
Beispiel Wasserkocher
- Neu (solide Marke): 45 €
- Reparatur (Thermostat + Arbeit): 18 €
- R/E = 40% → eigentlich schon grenzwertig.
Aber: Wenn’s nur ein 5 €-Schalter ist und du’s selbst kannst, dreht es sich sofort.
Regel B: Ersetzen, wenn …
R ≥ 60% von E oder du zahlst zusätzlich hohe Notlösungskosten.
Warum: Ab 60% kaufst du dir oft nur eine kurze Verlängerung, plus Risiko, dass das nächste Teil bald nachgibt.
Beispiel Staubsauger
- Ersatz (guter Mittelklasse): 180 €
- Reparatur Kostenvoranschlag: 120 €
R/E = 67% → ersetzen. Wenn du dann den alten noch für 20–40 € verkaufen kannst (defekt), wird’s noch klarer.
Regel C: „Grauzone“ (30–60%) → die Tie-Breaker
Wenn du in der Mitte landest, entscheide mit diesen drei Fragen:
- Sicherheit/Schutz: Elektrik, Wasser, Bremsen, Kindersitz → eher ersetzen oder Fachbetrieb.
- Nutzungsintensität: täglich genutzt (Waschmaschine) → eher verlässlich lösen. selten genutzt → eher günstig reparieren oder gebraucht ersetzen.
- Garantie & Restwert: Noch Gewährleistung? Dann zuerst kostenloser Weg.
Der schnelle Ablauf (10 Minuten, ohne Tabellen)
Copy-Paste Checkliste: Repair-or-Replace in 10 Minuten
- Modell/Typ notieren + Kaufdatum grob schätzen
- Ersatzkosten E checken (neu + gebraucht): 2 Preise notieren
- Reparaturkosten R schätzen: Teil + Arbeitszeit/Servicepauschale
- Notlösungskosten dazurechnen (z. B. Waschsalon): € pro Nutzung
- R/E berechnen (grob reicht): unter 30% / 30–60% / über 60%
- Tie-Breaker prüfen: Sicherheit, Nutzungsintensität, Garantie
- Entscheidung: Reparieren / Ersetzen / Gebraucht kaufen
- Eine Grenze setzen: „Ich gebe maximal X € aus.“
Pitfall (sehr häufig): Du rechnest nur die Reparatur, aber vergisst Zeit und Notlösung.
Beispiel Waschmaschine: Reparatur 140 €, Ersatz 450 €, klingt nach Reparatur (31%). Wenn du aber 2 Wochen überbrücken musst: Waschsalon 4× pro Woche à 6 € = 48 € + Zeit + Nerven → plötzlich fühlt sich „zuverlässig“ anders an.
„Bring this to your next call/chat“ – Script-Box
Polites Script: Reparaturpreis prüfen & Deckel drauf
Hallo, ich möchte kurz entscheiden, ob sich die Reparatur lohnt. Können Sie mir bitte vorab den Gesamtpreis nennen (Teile + Arbeit + Anfahrt) und die erwartete Haltbarkeit/Fehlerwahrscheinlichkeit nach der Reparatur?
Wenn der Betrag über X € liegt, möchte ich vorher noch einmal bestätigen. Danke!
Polites Script: Alternative anbieten (für bessere Konditionen)
Danke für den Kostenvoranschlag. Wenn wir die Reparatur auf maximal X € deckeln, könnten Sie das umsetzen (z. B. nur Teil A tauschen)? Falls nicht, würden Sie mir bitte eine günstigere Option nennen oder sagen, was zwingend nötig ist?
Praktische Euro-Beispiele (damit du ein Gefühl bekommst)
- Kinderjacke, Reißverschluss: Reparatur 15–25 €, Ersatz 60–90 € → reparieren (meist klar).
- Smartphone-Display: Reparatur 180–280 €, Ersatz (gebraucht, guter Zustand) 250–350 € → Grauzone: Wenn Akku schwach oder Gerät alt → eher ersetzen/gebraucht.
- Geschirrspüler (7–10 Jahre): Reparatur 160–280 €, Ersatz 550–750 € → Grauzone: Wenn Heizpumpe/Elektronik → Risiko hoch, eher Ersatz. Wenn Dichtung/Kleinigkeit → reparieren.
- Schuhe (Alltag, Sohle): Reparatur 25–45 €, Ersatz 80–140 € → reparieren, wenn Obermaterial noch gut.
Alternative, wenn du keine Kapazität hast: „Gebraucht statt neu“ als Zwischenlösung
Wenn du schnell eine funktionierende Lösung brauchst, aber neu gerade nicht passt:
- Setze E als gebraucht an (z. B. Kleinanzeigen-Preis).
Das verhindert, dass du in der Hektik automatisch die teuerste Neuanschaffung wählst.
Am Ende ist die beste Regel die, die dich an vollen Tagen schützt: unter 30% reparieren, über 60% ersetzen, dazwischen mit Sicherheit, Nutzung und Garantie entscheiden. Das nimmt Druck raus – und spart zuverlässig Geld an den Stellen, wo es im Alltag wirklich versickert.

