Die einfache Regel: Kaufen Sie eine erweiterte Garantie nur dann, wenn die realistische Ausfallwahrscheinlichkeit im Abdeckungszeitraum höher ist als die Garantiequote (Garantiepreis ÷ typischer Reparaturaufwand).
Das ist ein Break-even-Test ohne Drama. Sie brauchen nur drei Größen, die Sie grob schätzen können: Garantiepreis als Prozentsatz, typischer Reparaturaufwand als Prozentsatz des Kaufpreises, und die Chance, dass genau dieser Schaden in der Laufzeit wirklich passiert und auch bezahlt wird.
Die Regel-of-Thumb: Die Garantiequote
Nennen wir sie Garantiequote:
- Garantiequote = Garantiepreis / typischer Reparaturaufwand
Interpretation: Das ist die Mindest-Ausfallwahrscheinlichkeit, ab der sich die Garantie rechnerisch “lohnt” — unter idealen Bedingungen.
Wenn Sie die Ausfallwahrscheinlichkeit nicht seriös über dieser Quote einschätzen können: Finger weg.
Ein Satz, den man behalten kann
Wenn Sie nicht glauben, dass die Ausfallchance deutlich über der Garantiequote liegt, ist es keine gute Wette.
Schritt-für-Schritt: Der Break-even-Test (Bao-Version)
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Schätzen Sie den typischen Reparaturaufwand
Nicht “Maximalschaden”, sondern der Schaden, der am ehesten teuer wird (z. B. Display, Akku, Hauptplatine). Als Prozentsatz vom Kaufpreis denken: z. B. 25%. -
Rechnen Sie die Garantiequote
Garantie kostet z. B. 12% vom Kaufpreis, Reparatur typisch 25%:
Garantiequote = 12% / 25% = 48%. -
Prüfen Sie die harte Realität: Wird wirklich gezahlt?
Jetzt kommt der Teil, den viele ignorieren: Ausschlüsse, Selbstbehalt, “Verschleiß”, “unsachgemäße Nutzung”, Nachweispflichten, Werkstattbindung. Das senkt die “bezahlt-wird-Wahrscheinlichkeit”.
Deshalb: Safer Variant (siehe unten).
Wo die Regel bricht (und warum)
Die Garantiequote nimmt an, dass (a) der relevante Schaden passiert, (b) in der Laufzeit passiert, (c) abgedeckt ist und (d) ohne Reibung erstattet wird. In echt bricht das oft an drei Stellen:
- Ausschlüsse: Verschleißteile, Flüssigkeit, Sturz, “Kosmetik”, bereits bestehende Mängel.
- Selbstbehalt/Abzüge: Sie zahlen einen Teil immer selbst oder bekommen nur Zeitwert.
- Reparaturweg: Nur bestimmte Partner, längere Abwicklung, Austausch statt Reparatur (nicht immer vorteilhaft).
Wenn Sie diese Reibung ignorieren, überschätzen Sie den Nutzen.
Die sichere Version: Die 2×-Schwelle
Safer Variant (Bao-Regel): Kaufen Sie nur, wenn Ihre Ausfallwahrscheinlichkeit mindestens doppelt so hoch ist wie die Garantiequote.
Warum doppelt? Weil reale Bedingungen den erwarteten Nutzen oft halbieren: nicht alles ist abgedeckt, nicht alles wird unkompliziert erstattet, und manche “Reparaturen” sind günstiger als befürchtet.
Kurz:
- Normal: Ausfallchance > Garantiequote
- Sicher: Ausfallchance > 2 × Garantiequote
Pocket-Card (zum Merken)
Regel: Kaufen nur, wenn Ausfallchance > (Garantiepreis ÷ typischer Reparaturaufwand)
Wann nutzen: Wenn Sie Reparaturaufwand und Ausfallrisiko grob schätzen können
Wann nicht: Wenn viele Ausschlüsse, Selbstbehalt, unklare Abdeckung, oder Sie keine sinnvolle Ausfallchance angeben können
Anpassen: Nutze die sichere Version: Ausfallchance > 2 × (Garantiepreis ÷ typischer Reparaturaufwand)
Mini-Szenarien (ohne Währung, nur Prozente)
Szenario 1: “Sieht günstig aus” – ist es nicht
- Garantiepreis P = 10%
- Typischer Reparaturaufwand R = 20%
- Garantiequote = P/R = 10/20 = 50%
Wenn Sie nicht wirklich glauben, dass mehr als jede zweite Nutzung im Zeitraum einen abgedeckten Defekt produziert, ist das rechnerisch keine gute Idee. Mit sicherer Version bräuchten Sie sogar > 100% — unmöglich. Ergebnis: lassen.
Szenario 2: Hoher Reparaturaufwand, aber niedrige Abdeckungsqualität
- P = 8%
- R = 30%
- Garantiequote = 8/30 ≈ 27%
Klingt besser: 27% ist nicht absurd. Aber: Wenn Ausschlüsse/Belege/Selbstbehalt dafür sorgen, dass nur etwa 60% der echten Defekte am Ende “durchgehen”, dann steigt Ihre effektive Schwelle. Safer Variant hilft: 2×27% ≈ 54%. Ergebnis: Nur kaufen, wenn Sie wirklich von deutlich über 50% abgedecktem Defektrisiko ausgehen.
Szenario 3: Sie sind risikoscheu – aber nicht naiv
- P = 6%
- R = 35%
- Garantiequote = 6/35 ≈ 17%
- Ihre geschätzte abgedeckte Ausfallchance: 25%
Normaltest: 25% > 17% → könnte passen.
Sicherer Test: 25% > 34% → fällt durch.
Wenn Sie keinen Stress wollen, ist die Garantie “komfortabel”, aber nicht effizient. Die saubere Alternative ist, den gleichen Prozentsatz als Reparaturpuffer zu reservieren.
Häufige Fehler
- Maximalschaden statt typischem Schaden ansetzen: Das macht die Garantie künstlich attraktiv. Rechnen Sie mit dem wahrscheinlichsten teuren Defekt.
- Ausschlüsse überlesen: “Verschleiß” ist oft ein schwarzes Loch. Wenn unklar: Nutzen reduzieren.
- Ausfallwahrscheinlichkeit mit Bauchgefühl ohne Abdeckung verwechseln: Entscheidend ist nicht “geht kaputt”, sondern “geht kaputt und wird bezahlt”.
- Garantie als “Sicherheitsgefühl” kaufen und es als “gute Rechnung” verkaufen: Komfort ist okay — aber nennen Sie es auch so.
Der einfache Abschlussgedanke
Erweiterte Garantien sind meistens keine Mathematik, sondern ein Verkauf von Beruhigung. Wenn Sie trotzdem rational bleiben wollen: Garantiequote rechnen, dann die sichere 2×-Schwelle anwenden. Wenn Sie die nötige Ausfallchance nicht glaubhaft erreichen: nicht kaufen.

