Spart der eigene Lebensmittelanbau Geld? Ein einfacher Test

Author Lina

Lina

Veröffentlicht am

Ja, eigenes Obst, Gemüse und Kräuter können Geld sparen. Automatisch passiert das aber nicht. Entscheidend sind deine tatsächlichen Kosten, die nutzbare Ernte und der Preis der Lebensmittel, die du dadurch wirklich nicht kaufen musst.

Ein teures Hochbeet voller ungenutzter Zucchini spart wenig. Ein einfacher Topf mit regelmäßig geernteten Kräutern kann dagegen schnell günstiger sein. Mit diesem Test findest du heraus, wie es bei dir aussieht.

Die einfache Rechnung

Für eine Saison gilt:

Ersparnis = vermiedene Einkaufskosten − Anbaukosten

Die vermiedenen Einkaufskosten berechnest du so:

Genutzte Erntemenge × vergleichbarer Ladenpreis

Wichtig ist das Wort „genutzt“. Verdorbene Tomaten, verschenkte Salatköpfe oder Kräuter, die du sonst nie gekauft hättest, senken deine Lebensmittelausgaben nicht.

Schritt 1: Wähle nur eine Pflanze

Teste zunächst eine Kultur, die du ohnehin regelmäßig kaufst. Gut geeignet sind zum Beispiel:

  • Basilikum oder Petersilie
  • Schnittsalat
  • Tomaten
  • Radieschen
  • Erdbeeren

Das sind keine garantierten Sparpflanzen. Ob sie sich lohnen, hängt von deinen Einkaufspreisen, deinem Ertrag und den notwendigen Anschaffungen ab.

Kartoffeln, Möhren oder Zwiebeln können ebenfalls gut wachsen. Da sie im Handel häufig günstig erhältlich sind, braucht es jedoch meist eine größere Ernte, damit eine deutliche Ersparnis entsteht.

Schritt 2: Lege den richtigen Vergleichspreis fest

Vergleiche möglichst ähnliche Produkte:

  • Bio mit Bio
  • konventionell mit konventionell
  • lose Ware mit loser Ware
  • dieselbe Sorte oder Qualitätsstufe
  • Preis pro Kilogramm, Stück oder Bund

Am zuverlässigsten sind deine eigenen Kassenbons oder aktuelle Preise in dem Geschäft, in dem du normalerweise einkaufst. Allgemeine Durchschnittspreise helfen nur begrenzt: Lebensmittelpreise verändern sich laufend und einzelne Produktgruppen entwickeln sich unterschiedlich, wie die Daten des Statistischen Bundesamts zeigen.

Bei saisonalen Produkten sollte auch der Zeitraum stimmen. Eine selbst geerntete Tomate im August gehört nicht unbedingt mit einer Wintertomate verglichen. Der Saisonkalender des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hilft bei der Einordnung.

Schritt 3: Erfasse alle Anbaukosten

Notiere alle Ausgaben, die durch den Anbau entstehen:

  • Saatgut oder Jungpflanzen
  • Blumenerde und Kompost
  • Dünger und Pflanzenschutz
  • Wasser
  • Töpfe, Rankhilfen und Pflanzgefäße
  • Werkzeug
  • Fahrtkosten zum Garten
  • Pacht oder anteilige Kosten eines Kleingartens
  • Material und Energie zum Einkochen, Trocknen oder Einfrieren

Mehrjährig verwendbare Dinge musst du nicht vollständig einer einzigen Ernte zurechnen. Kostet ein Topf beispielsweise 20 Euro und wird voraussichtlich fünf Jahre genutzt, kannst du zunächst vier Euro pro Jahr ansetzen.

Bereits vorhandene Werkzeuge zählen für die Frage „Lohnt sich der Anbau ab heute?“ nur dann als Kosten, wenn sie ersetzt oder speziell für das Projekt ergänzt werden müssen.

Schritt 4: Wiege nur die essbare Ernte

Eine Küchenwaage macht den Vergleich deutlich einfacher. Notiere nach jeder Ernte:

Datum Geerntet Tatsächlich verwendet Vergleichspreis
10. Juni 120 g 100 g Preis pro 100 g
18. Juni 150 g 150 g Preis pro 100 g
27. Juni 140 g 80 g Preis pro 100 g

Abgeschnittene, aber nicht verwendete Mengen zählen nicht als Ersparnis. Dasselbe gilt für Ernteausfälle durch Hitze, Schädlinge oder Krankheiten.

Ein hypothetisches Beispiel

Angenommen, eine Kräuterpflanze liefert während der Saison zwölf tatsächlich genutzte Portionen. Eine vergleichbare Portion hätte laut deinen Kassenbons jeweils 1,20 Euro gekostet.

Vermiedene Einkäufe:

12 × 1,20 Euro = 14,40 Euro

Angenommene Kosten:

  • Pflanze: 2,50 Euro
  • anteilige Erde: 3,00 Euro
  • Wasser: 1,00 Euro
  • jährlicher Anteil des Topfes: 2,00 Euro

Gesamtkosten: 8,50 Euro

Ersparnis:

14,40 Euro − 8,50 Euro = 5,90 Euro

Der Break-even liegt bei:

8,50 Euro ÷ 1,20 Euro = 7,1 Portionen

Ab der achten verwendeten Portion wäre der Anbau in diesem Beispiel günstiger als der Einkauf.

Sollte deine Arbeitszeit mitgerechnet werden?

Das hängt von deiner Frage ab.

Wenn du nur wissen möchtest, ob mehr Geld auf dem Konto bleibt, reicht die reine Ausgabenrechnung. Gartenarbeit in der Freizeit verursacht schließlich nicht automatisch eine zusätzliche Zahlung.

Möchtest du den Anbau wirtschaftlich mit bezahlter Arbeit vergleichen, kannst du deine Zeit ergänzen:

Wirtschaftliches Ergebnis = vermiedene Einkäufe − Kosten − Zeitwert

Bei zehn Arbeitsstunden und einem selbst gewählten Zeitwert von 15 Euro wären das zusätzliche rechnerische Kosten von 150 Euro. Das bedeutet nicht, dass die Gartenarbeit „schlecht bezahlt“ ist. Bewegung, Entspannung oder Freude am Anbau sind persönliche Vorteile – nur eben keine finanzielle Ersparnis.

Was die Rechnung häufig verfälscht

Du vergleichst mit einem Produkt, das du nie gekauft hättest

Eine Ernte im rechnerischen Wert von 30 Euro spart keine 30 Euro, wenn du sonst nur Gemüse für 10 Euro gekauft hättest. Maßgeblich sind die tatsächlich vermiedenen Einkäufe.

Die Anfangsausstattung wird vergessen

Hochbeet, Gewächshaus, Bewässerung und neue Werkzeuge können die erste Saison teuer machen. Verteile langlebige Anschaffungen realistisch auf mehrere Jahre.

Überschüsse zählen vollständig als Ersparnis

Eine große Ernte sieht auf dem Papier gut aus. Wenn ein Teil verdirbt oder verschenkt wird, hat dieser Anteil deine Einkaufskosten jedoch nicht reduziert.

Unterschiedliche Qualität wird verglichen

Selbst angebaute Bio-Tomaten mit dem günstigsten konventionellen Angebot zu vergleichen, kann das Ergebnis verzerren. Nutze den Preis des Produkts, das du tatsächlich stattdessen gekauft hättest.

Der Garten verändert den Speiseplan

Mehr Gemüse zu essen kann sinnvoll sein, spart aber nicht zwingend Geld. Zusätzlicher Konsum und ersetzte Einkäufe sollten getrennt erfasst werden.

Wann eigener Anbau eher Geld spart

Die Chancen stehen besser, wenn du:

  • vorhandene Töpfe und Werkzeuge nutzt,
  • Saatgut über mehrere Jahre oder Pflanzen verteilst,
  • Regenwasser verwendest, wo es möglich und zulässig ist,
  • robuste Pflanzen für deinen Standort auswählst,
  • nur Lebensmittel anbaust, die du wirklich isst,
  • laufend kleine Mengen erntest,
  • Überschüsse rechtzeitig haltbar machst,
  • neue Anschaffungen klein hältst.

Besonders interessant sind häufig Produkte, die du im Laden nur in relativ großen Packungen bekommst, obwohl du kleine Mengen benötigst. Frische Kräuter sind dafür ein typisches Beispiel: Du kannst bedarfsgerecht ernten und vermeidest ungenutzte Reste.

Wann sich der Anbau finanziell eher nicht lohnt

Eine Ersparnis wird schwieriger, wenn eigens dafür teure Beete, Geräte oder Gewächshäuser gekauft werden. Auch hohe Pacht- und Fahrtkosten, häufige Ernteausfälle oder energieintensive Beleuchtung und Beheizung können das Ergebnis ins Minus drücken.

Der faire Schluss lautet deshalb nicht „Selbst anbauen ist immer billiger“. Eigener Anbau spart dann Geld, wenn der Wert der tatsächlich verwendeten Ernte alle zusätzlichen Kosten übersteigt. Genau das macht der kleine Saisontest sichtbar.

Entdecke Monee - Haushaltsbuch

Demnächst bei Google Play
Im App Store laden