Viele Gebühren entstehen nicht, weil „zu wenig Geld“ da ist – sondern weil Geld und Abbuchungen zeitlich aneinander vorbeilaufen. Wenn der Strom am 2. abgebucht wird, das Gehalt aber erst am 5. eingeht, rutschst du kurz ins Minus. Das kann Dispo-Zinsen, Rücklastschriftgebühren oder Mahngebühren auslösen – selbst wenn dein Monat insgesamt locker passt.
Ein gutes Startdatum für deinen Budget-Monat ist deshalb weniger „Kalenderromantik“ (1. bis 31.) und mehr ein Anti-Gebühren-Trick: Du wählst einen Zeitraum, der zu deinem Geldfluss passt.
Was du sparen kannst (realistische Spanne)
Annahmen: München, 3-Personen-Haushalt, Stand 2026, Kontomodell mit Dispo möglich, mehrere SEPA-Lastschriften.
Realistische Spanne: 10–60 € pro Monat, manchmal mehr in „stressigen“ Monaten.
Woraus das typischerweise kommt (Beispiele):
- Rücklastschrift / fehlgeschlagene Lastschrift: oft 3–10 € pro Vorgang (je nach Bank/Anbieter) + ggf. Zusatzkosten beim Anbieter.
- Mahngebühren/Verspätungszuschläge: häufig 5–15 € pro Brief/E-Mail, bei manchen Verträgen mehr.
- Dispo-Zinsen: z. B. 800 € für 12 Tage im Dispo bei 12% p.a. ≈ 3,16 € Zinsen (800 × 0,12 / 365 × 12). Der Dispo allein ist selten der größte Brocken – die Kettenreaktion (Rücklastschrift + Mahnung + Stress) ist es.
Kleine Rechnung aus dem Alltag:
- Rücklastschrift Fitnessstudio: 8 €
- Mahngebühr Mobilfunk: 10 €
- Dispo-Zinsen: 3 € = 21 € „nur wegen Timing“.
Das Prinzip: Dein Budget-Monat startet, wenn dein Geld wirklich verfügbar ist
Der beste Starttermin ist fast immer:
- 1–2 Tage nach dem Haupteingang (Gehalt, Kindergeld, Unterhalt, Rente – was bei euch den größten Anteil macht)
- plus ein Wochenend-/Feiertagspuffer, damit Überweisungen und Buchungen nicht „hängen“
Warum „nach“ dem Geldeingang?
- Weil „angekündigt“ nicht „gebucht“ ist.
- Weil Wochenenden/Feiertage Buchungen verschieben können.
- Weil du den Starttermin als Ruhepunkt nutzen willst: ab da planst du Fixkosten + variable Ausgaben ohne ständiges Nachjustieren.
Schritt 1: Mini-Cashflow-Übersicht (15 Minuten, reicht völlig)
Du brauchst keine perfekte Tabelle. Nimm ein Blatt oder Notizen-App und schreibe zwei Listen.
A) Geld rein (Datum + Betrag)
- 28.: Gehalt Partner: 2.400 €
- 1.: Kindergeld: 500 €
- 3.: Gehalt: 2.100 €
B) Fixkosten raus (Fälligkeit/Abbuchung + Betrag)
- 1.: Miete: 1.650 € (Überweisung/Dauerauftrag)
- 2.: Strom: 120 € (SEPA)
- 5.: Kita: 310 € (SEPA)
- 7.: Internet: 45 € (SEPA)
- 10.: Versicherungen: 68 € (SEPA)
- 12.: ÖPNV/Deutschlandticket: 98 € (SEPA)
- 15.: Handy: 29 € (SEPA)
- 20.: Streaming: 17 € (Karte/PayPal)
Ziel: Du willst sehen, ob in den ersten Tagen deines „Kalendermonats“ Abbuchungen liegen, bevor das Geld zuverlässig da ist.
Schritt 2: Wähle einen Starttermin nach diesen 3 Regeln
Regel 1: Starte nach dem größten Geldeingang
Wenn euer Hauptgeld am 28. kommt, ist ein Budget-Monat 29./30. oft sinnvoll. Wenn es am 3. kommt, ist 4./5. oft besser als der 1.
Regel 2: Starte nicht auf „Kritik-Tagen“
Vermeide als Startdatum:
- den 1. (viele Abbuchungen + Miete)
- Montag nach Monatswechsel (Buchungswellen)
- Feiertagsnähe (Buchungen verschieben sich)
Besser:
- 2–5 Werktage nach Monatswechsel oder 2 Werktage nach Gehaltseingang.
Regel 3: Baue einen echten Puffer ein (klein, aber stabil)
Der Puffer schützt dich vor Mini-Verschiebungen (Arzt-Rechnung, Schul-Ausflug, Nachzahlung).
Praktisch:
- 100–300 € als „Timing-Puffer“ auf dem Giro (oder separatem Unterkonto).
- Alternativ: ein „Puffer-Topf“ auf Tagesgeld und ein fester Betrag bleibt am Giro.
Wichtig: Das ist kein „Sparziel“, sondern eine Stoßdämpfer-Zahl.
Schritt 3: Ordne Fixkosten dem Budget-Monat zu (damit du nicht doppelt zählst)
Wenn dein Budget-Monat z. B. vom 5. bis 4. läuft, dann gilt:
- Alle Fixkosten zwischen 5. und 4. gehören in diesen Budget-Monat.
- Du planst nicht „Miete im Januar“, sondern „Miete im Budget-Zeitraum“.
Das klingt banal, verhindert aber den Klassiker:
- Miete wird am 1. bezahlt, Gehalt kommt am 3., Budget startet am 1. → gefühlter Engpass, obwohl genug da wäre.
Schritt 4: Verschiebe (oder streue) die größten Abbuchungen – ohne großen Aufwand
Du musst nicht alles ändern. Nimm die Top 3 Gebühren-Auslöser:
- Miete (Überweisung)
- Strom/Gas
- Versicherung/Internet/Handy
- Kreditkarte/PayPal-Abos
Option A: Miete als Dauerauftrag mit „Sicherheitsabstand“
Wenn die Miete am 1. rausgeht, aber Gehalt erst am 3. kommt:
- Dauerauftrag auf 4. oder 5. setzen (wenn vertraglich möglich) oder
- Dauerauftrag bleibt am 1., aber du baust den Puffer so auf, dass er die Miete abfedert.
Option B: SEPA-Lastschrift-Fälligkeit anpassen
Viele Anbieter können den Abbuchungstag ändern (nicht alle, aber überraschend viele).
Ziel: Große Lastschriften nicht alle auf 1.–5. bündeln, sondern über die zweite Woche verteilen.
Beispiel-Streuung (ohne dass es kompliziert wird):
- Internet am 7.
- Handy am 15.
- Versicherung am 20.
Option C: Abos auf einen „Abo-Tag“ legen
Streaming, Apps, Cloud: Das ist selten existenzbedrohend – aber super nervig, wenn es Rücklastschriften auslöst.
Wähle einen Tag nach deinem Budget-Start, z. B. 10. und stelle, wo möglich, das Abrechnungsdatum um.
Copy-Paste Checkliste: In 30 Minuten zu deinem Startdatum
Du kannst das so 1:1 übernehmen:
- Datum(e) aller Geldeingänge notieren (letzte 2 Monate anschauen)
- Datum + Betrag der 10 größten Fixkosten notieren
- Markieren: Welche Abbuchungen passieren vor dem Haupteingang?
- Startdatum wählen: 1–2 Werktage nach Haupteingang (plus Puffer)
- Timing-Puffer festlegen: 100–300 € (oder ein Betrag, der 2–3 Tage Fixkosten abfängt)
- 1–3 Abbuchungen auswählen, die du verschiebst (größter Stress/ größte Gebührengefahr)
- Dauerauftrag/Miete prüfen (Datum + Ausführungstag)
- SEPA-Abbuchungstage bei Strom/Internet/Handy/Versicherung anfragen
- Abos bündeln (wenn möglich) oder wenigstens aus der „Gefahrenzone“ rausziehen
- Einmal prüfen: Passt das neue Setup, ohne dass es „komplizierter“ wird?
Typische Stolperfallen (und einfache Alternativen)
Stolperfalle 1: Du startest am 1., weil „man das so macht“.
Alternative: Starte am 4./5. (oder nach Gehalt). Du darfst das. Dein Budget muss nicht mit dem Kalender flirten – es soll Gebühren verhindern.
Stolperfalle 2: Alles wird umgestellt, dann ist es zu viel Pflege.
Alternative: Ändere nur die 3 größten Abbuchungen oder nur das Startdatum + Puffer. Das bringt oft schon den Großteil.
Stolperfalle 3: Variable Einnahmen (Selbstständig, Schicht, Boni).
Alternative: Nimm einen „späten“ Starttermin, z. B. 10., und plane Fixkosten so, dass Anfang des Zeitraums schon Geld da ist. Oder du arbeitest mit zwei Zonen:
- Zone 1: Fixkosten zuerst absichern
- Zone 2: Variable Ausgaben danach, wenn klar ist, was wirklich da ist
Stolperfalle 4: Gebühren entstehen, weil das Konto zu knapp geführt wird.
Alternative: Puffer bewusst als „Gebühren-Schutz“ behandeln. Selbst 150 € können drei unnötige Gebühren verhindern.
Konkretes Beispiel: Vorher/Nachher (mit EUR-Beträgen)
Vorher (Kalender-Start 1.)
- 1.: Miete 1.650 €
- 2.: Strom 120 €
- 3.: Gehalt 2.100 €
-
- passiert: Konto rutscht kurz ins Minus → Dispo 800 € für 12 Tage
- Ein Abo bucht zusätzlich ab → Rücklastschrift 8 €
- Mobilfunk mahnt (weil Lastschrift zurückging) → 10 €
Gesamtkosten: ca. 21 € Gebühren/Zinsen in diesem Monat.
Nachher (Budget-Monat startet am 5.)
- Puffer am Giro: 250 €
- Strom-Abbuchung auf 8. verschoben
- Abos auf 10. gelegt
- Miete bleibt am 1., aber wird durch Puffer + Gehalt abgefedert (keine Rücklastschriften)
Gesamtkosten: 0–3 € (je nachdem, ob überhaupt Dispo anfällt).
Und vor allem: weniger „Kurz-vor-knapp“-Stress.
Bring das in deinen nächsten Call/Chat (Script-Box)
Du kannst das direkt kopieren und an Anbieter/Support schicken (kurz, freundlich, klar):
Hallo, ich möchte den Abbuchungstermin meiner SEPA-Lastschrift anpassen, damit es nicht zu Rücklastschriften kommt.
Können wir den Einzug bitte künftig auf den [DATUM, z. B. 15.] legen?
Vertragsnummer/Kundennummer: [NUMMER]
Vielen Dank und freundliche Grüße
[NAME]
Für Vermieter/Hausverwaltung (bei Miete per Überweisung/Dauerauftrag):
Guten Tag, ich würde den Zahlungstermin der Miete organisatorisch anpassen.
Wäre es in Ordnung, wenn die Miete künftig spätestens zum [DATUM, z. B. 5.] bei Ihnen eingeht?
Ich richte dazu einen Dauerauftrag ein.
Freundliche Grüße
[NAME]
Für Bank (wenn es um Dispo/Überziehung und Gebühren geht):
Hallo, ich möchte vermeiden, dass es durch Buchungsverschiebungen zu Überziehungen und Gebühren kommt.
Gibt es bei meinem Konto eine Möglichkeit für einen kleinen Puffer (z. B. Dispo-Rahmen/geduldete Überziehung) oder eine Benachrichtigung, bevor Lastschriften scheitern?
Danke für eine kurze Auskunft.
Freundliche Grüße
[NAME]
Wenn du nur eine Sache heute machst
Setz dein Budget-Startdatum auf 1–2 Werktage nach dem Haupteingang und plane einen kleinen Timing-Puffer (100–300 €) ein. Das ist die Kombination, die im Alltag am häufigsten Gebühren verhindert – ohne dass du dein Leben um dein Budget herum bauen musst.

