Kurz gesagt: Wenn der Preis nach deinem Kauf sinkt, hast du in Deutschland keinen gesetzlichen Anspruch auf die Differenz. Es gilt der Preis, den du beim Kauf vereinbart hast. Du kannst aber höflich um eine Preisanpassung aus Kulanz bitten. Bei Online-Käufen kannst du außerdem dein 14-tägiges Widerrufsrecht nutzen: Du gibst die Ware zurück und kaufst sie zum neuen Preis noch einmal. Unten findest du fertige Formulierungen für Chat, E-Mail und Telefon.
Was dir zusteht und was nicht (Deutschland)
- Kein Anspruch auf die Differenz: Mit dem Kauf ist der Vertrag zum damaligen Preis zustande gekommen. Eine nachträgliche Erstattung ist eine freiwillige Kulanzleistung des Händlers (mydealz).
- Widerrufsrecht bei Online- und Fernabsatzkäufen: Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage (§ 355 BGB). Bei Waren beginnt sie grundsätzlich mit dem Erhalt der Ware. Bei mehreren getrennt gelieferten Artikeln einer Bestellung beginnt sie mit dem Erhalt des letzten Artikels (§ 356 BGB). Einen Grund musst du nicht nennen. Ein günstigerer Preis reicht also als Motiv aus. Bei Käufen im Laden gibt es dieses gesetzliche Widerrufsrecht nicht. Dort bist du auf Kulanz oder freiwillige Umtauschregeln des Händlers angewiesen.
- Neu seit 19. Juni 2026: Widerrufsbutton: Online-Shops müssen eine gut sichtbare „elektronische Widerrufsfunktion“ anbieten, zum Beispiel mit der Beschriftung „Vertrag widerrufen“. Den Eingang deines Widerrufs müssen sie dir sofort in speicherbarer Form bestätigen. Fehlt der Button oder ist die Belehrung fehlerhaft, kann sich die Widerrufsfrist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage verlängern (Verbraucherzentrale Niedersachsen).
- Haken beim Widerruf: Wenn das Produkt schon geliefert, aufgebaut oder benutzt wurde, wird es schwierig. Liefer- und Installationskosten werden oft nicht erstattet (mydealz). Nutzt du die Ware über eine normale Prüfung hinaus, kann der Händler außerdem Wertersatz verlangen. Lies deshalb vorher in der Widerrufsbelehrung nach, wer die Rücksendekosten trägt.
Faustregel: Ist die Differenz klein oder der Artikel schon in Gebrauch, frag nach Kulanz. Ist die Differenz groß und die Ware noch unbenutzt im Karton, ist der Widerruf mit anschließendem Neukauf oft der sicherere Weg. Erst neu bestellen, dann zurückschicken, damit du den niedrigeren Preis nicht verpasst.
Was große Händler in Deutschland handhaben
- Amazon.de: Eine dauerhafte, offizielle Preisschutz-Richtlinie gibt es nicht. Eine Erstattung der Differenz ist eine Kulanzentscheidung des Kundenservice, nach Berichten oft als Gutschein statt als Geld (iwantek). Eine Ausnahme sind einzelne Aktionen: Rund um die Prime Deal Days 2025 wurde berichtet, dass Amazon die Differenz erstattet, wenn der Preis innerhalb eines kurzen Zeitfensters nach dem Event sinkt (nextpit). Ob und wie das bei künftigen Aktionen gilt, steht in den jeweiligen Aktionsbedingungen.
- Rückgabefrist bei Amazon.de wird kürzer: Seit 1. September 2026 gilt für viele Kategorien nicht mehr die freiwillige 30-Tage-Rückgabe, sondern nur noch das gesetzliche Widerrufsrecht. Du musst die Rücksendung dann innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt anmelden. Betroffen sind zum Beispiel Möbel, Beauty, Garten und Mobile Electronics. Die geltende Frist steht auf der jeweiligen Produktseite (Finanztip, GameStar). Wenn du auf eine Preissenkung hoffst, hast du also weniger Zeit.
- MediaMarkt/Saturn: Das „Preisversprechen“ gilt nur vor dem Kauf und nur gegen Vorlage der myMediaMarkt- bzw. Saturn-Karte. Akzeptiert werden ausgewählte Online-Händler und Geschäfte in der Nähe. Nach dem Bezahlen gilt der Preis auf dem Kassenbon, eine Rückzahlung ist höchstens Kulanz (mydealz, inside digital). Die aktuellen Bedingungen stehen in den Fußnoten auf mediamarkt.de bzw. saturn.de und können sich ändern.
Prüf bei anderen Shops die Hilfe- oder FAQ-Seite nach Begriffen wie „Preisgarantie“, „Bestpreis“ oder „Tiefpreis“. Manche Händler bieten eigene Regeln an, verpflichtet sind sie dazu nicht.
So bereitest du die Anfrage vor
Um eine Anpassung zu bitten ist nicht unverschämt. Du sprichst einen konkreten, nachvollziehbaren Punkt an und gibst dem Unternehmen die Chance, dich fair zu behandeln. Lege dir vorher bereit:
- Kaufdatum und Bestellnummer
- den bezahlten Preis und den aktuellen Preis, am besten als Screenshot mit Datum
- wer verkauft: der Händler selbst oder ein Marktplatz-Verkäufer
- ob die Widerrufs- oder Rückgabefrist noch läuft
So gehst du sicherer ins Gespräch. Dieselbe ruhige Struktur funktioniert übrigens auch, wenn du mit einem einfachen Skript um den Erlass von Bankgebühren bittest.
Vorlagen zum Kopieren
Kurze Nachricht per Chat oder Kontaktformular
„Hallo, ich habe den Artikel am [Datum] gekauft. Jetzt sehe ich, dass der Preis inzwischen niedriger ist. Könnten Sie bitte prüfen, ob eine Preisanpassung oder eine teilweise Erstattung möglich ist? Meine Bestellnummer ist [Bestellnummer]. Vielen Dank.“
Freundliche E-Mail
Betreff: Bitte um Prüfung einer Preisanpassung
„Guten Tag,
ich habe den Artikel am [Datum] bestellt und gesehen, dass der Preis kurz danach von [alter Preis] auf [neuer Preis] gesenkt wurde. Ich wollte freundlich nachfragen, ob in diesem Fall eine Preisanpassung oder eine Erstattung der Differenz möglich ist.
Die Bestellnummer lautet [Bestellnummer].
Vielen Dank für die Prüfung.“
Sachliche E-Mail mit Hinweis auf den Widerruf (nur bei Online-Käufen innerhalb der Frist)
Betreff: Anfrage zur Preisanpassung, Bestellung [Bestellnummer]
„Guten Tag,
ich habe am [Datum] bei Ihnen bestellt. Der Preis des Artikels wurde inzwischen auf [neuer Preis] reduziert. Bevor ich den Artikel innerhalb der Widerrufsfrist zurücksende und neu bestelle, möchte ich fragen, ob Sie mir die Differenz von [Betrag] direkt erstatten können. Das wäre für beide Seiten einfacher.
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.“
So formuliert ist das keine Drohung, sondern ein sachlicher Hinweis. Für den Händler ist eine Gutschrift meist günstiger als Rücksendung und Neuversand.
Am Telefon
„Guten Tag, ich rufe an, weil ich am [Datum] einen Artikel gekauft habe und der Preis inzwischen gesunken ist. Ich wollte freundlich fragen, ob Sie eine Preisanpassung oder eine Erstattung der Differenz anbieten können.“
Im Laden
„Ich habe diesen Artikel am [Datum] hier gekauft, hier ist der Kassenbon. Inzwischen ist er günstiger. Ist da aus Kulanz eine Anpassung oder eine Gutschrift möglich?“
Die Struktur, die am besten funktioniert
- Nenne den Kauf.
- Nenne die Preisänderung.
- Bitte konkret um Prüfung.
- Bleib freundlich und hör dann auf zu reden.
Der letzte Punkt ist oft der schwerste. Wer nach der Bitte weiterredet, klingt schnell unsicher. Du darfst nach deiner Frage eine Pause machen. Richte die Bitte auf das Ergebnis, nicht auf Vorwürfe: „Könnten Sie bitte prüfen, ob eine Anpassung möglich ist?“ wirkt besser als „Das ist unfair“.
Typische Antworten und was du sagen kannst
„Dafür sind Sie leider außerhalb der Frist.“
„Danke für die Info. Können Sie bitte trotzdem prüfen, ob aus Kulanz etwas möglich ist? Der Preis wurde sehr kurz nach meinem Kauf geändert.“
„Wir machen grundsätzlich keine Preisanpassungen.“
„Verstanden. Gibt es in meinem Fall eine andere Lösung, zum Beispiel eine teilweise Gutschrift oder einen Gutschein?“
„Sie müssten zurückschicken und neu bestellen.“
„Das ist möglich, ich bin noch in der Widerrufsfrist. Bevor ich das tue: Können Sie die Differenz direkt erstatten? Das spart uns beiden Aufwand.“
„Ich kann das nicht entscheiden.“
„Kein Problem. Könnten Sie meine Anfrage bitte an die zuständige Stelle weitergeben?“
Es geht nicht darum, Druck zu machen. Es geht darum, die Tür offen zu halten. Freundliche Beharrlichkeit wirkt oft besser als Druck.
Wenn die erste Anfrage abgelehnt wird
„Danke für Ihre Rückmeldung. Ich wollte trotzdem noch einmal freundlich nachfragen, ob in diesem Fall eine Kulanzlösung möglich wäre, da die Preisänderung kurz nach meinem Kauf erfolgt ist.“
Hast du angerufen, versuch es danach schriftlich, und umgekehrt. Verschiedene Kanäle und verschiedene Mitarbeitende kommen manchmal zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein guter Grundsatz: einmal fragen, einmal nachfassen, dann entscheiden. Entweder du widerrufst, solange die Frist läuft, oder du lässt die Sache los.
Häufige Fragen
Muss ein Händler mir die Differenz erstatten, wenn der Preis sinkt?
Nein, nicht in Deutschland. Es gilt der Preis zum Kaufzeitpunkt. Eine Erstattung ist freiwillig, es sei denn, der Händler hat eine eigene Preisgarantie oder Aktionsbedingungen, die das ausdrücklich zusagen.
Darf ich online widerrufen, nur weil es jetzt billiger ist?
Ja. Für den Widerruf brauchst du keinen Grund. Achte auf die 14-Tage-Frist und auf mögliche Rücksendekosten.
Gilt das auch für Marktplatz-Verkäufer?
Das Widerrufsrecht gilt auch bei gewerblichen Marktplatz-Verkäufern. Kulanz oder Preisaktionen des Plattformbetreibers gelten aber oft nur für Artikel, die er selbst verkauft.
Wie vermeide ich das Problem beim nächsten Mal?
Prüf vor größeren Käufen den Preisverlauf mit einem Vergleichsportal und frag dich, ob der Kauf auch zum aktuellen Preis sinnvoll ist. Die Preis-pro-Nutzung-Regel hilft dabei. Achte auch darauf, dass ein Schnäppchen nicht gleich weitere Käufe nach sich zieht.
Fazit
Du bettelst nicht, du bittest um eine faire Prüfung. Bei Online-Käufen hast du mit dem Widerrufsrecht ein echtes Druckmittel in der Hinterhand. Im Laden setzt du auf einen freundlichen, klaren Satz. Wenn du Kaufdatum, Bestellnummer und neuen Preis bereithast, wird aus einem unangenehmen Thema ein kurzes, sachliches Gespräch.
Quellen
- § 355 BGB – Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen (gesetze-im-internet.de)
- § 356 BGB – Widerrufsrecht bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und Fernabsatzverträgen (gesetze-im-internet.de)
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Widerrufsbutton wird Pflicht
- Finanztip: Amazon verkürzt Rückgabefrist
- GameStar: Amazon kürzt die Rückgabefrist ab September 2026
- mydealz: MediaMarkt-Preisgarantie nachträglich möglich – oder nicht?
- mydealz: MediaMarkt-Preisgarantie – alles, was ihr wissen müsst
- inside digital: MediaMarkt & Saturn – Tiefpreisversprechen ist zurück
- iwantek: Does Amazon do price adjustments? 2026 Guide
- nextpit: Amazon Prime Deal Days 2025

