Wie viel Bargeld sollte man zu Hause haben?

Author Rafael

Rafael

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Stell dir vor, Kartenzahlung fällt aus – und du merkst erst an der Kasse, dass du praktisch „zahlungsunfähig“ bist.

Mein Urteil: Ein kleiner Bargeldpuffer zu Hause ist Okay und manchmal sogar klug. Große Bargeldbestände sind dagegen oft Risky – nicht nur wegen Einbruch, sondern auch weil Versicherungsschutz und Nachweis im Schadenfall schnell dünn werden.

Kurzfassung: Für dich wenn / nicht für dich wenn

Für dich, wenn …

  • du im Alltag viel digital zahlst, aber eine Ausfall-Option willst (Stromausfall, Kartenterminal down, Konto-/Kartenproblem)
  • du Bargeld für bestimmte Situationen brauchst (Handwerker, Trinkgeld, Flohmarkt, spontane Ausgaben)
  • du dir eine Reserve für ein paar Tage bis etwa eine Woche ohne Zugang zu Karten/ATM realistisch vorstellen kannst

Nicht für dich, wenn …

  • du „zur Sicherheit“ monatelange Ausgaben bar bunkern willst
  • du kein sicheres Versteck/keinen Safe hast und das Geld eher „irgendwo“ liegt
  • du glaubst, die Hausratversicherung ersetzt dir im Zweifel einfach alles Bargeld ohne Diskussion

Was viele beim „Bargeld zu Hause“ unterschätzen

1) Bargeld ist praktisch – aber es ist auch ein Klumpenrisiko

Wenn Bargeld weg ist, ist es weg. Bei Karten/Überweisungen gibt es Sperren, Rückbuchungen, Kontrollen. Beim Bündel Scheine in der Schublade nicht.

Und Einbruch ist kein reines „Großstadtproblem“: In Deutschland wurden 2023 insgesamt 77.819 Wohnungseinbruchdiebstähle registriert. (BKA/PKS 2023)

2) „Bargeld ist versichert“ stimmt – aber meist nur mit Grenzen

Offiziell zählen Bargeld und Wertsachen zum Hausrat, aber Wertsachen unterliegen in der Regel besonderen Entschädigungsgrenzen. (BaFin: Hausratversicherung)

Noch klarer wird’s bei unabhängigen Verbraucherinfos: Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Wertsachen oft nur bis zu bestimmten Grenzen ersetzt werden – und dass für Bargeld/Urkunden/Schmuck häufig besondere Sicherung (z. B. Geldschrank) erwartet wird. (Verbraucherzentrale – Hausratversicherung)

Was das praktisch heißt: Ein „großer Batzen“ Bargeld im Haushalt kann genau in dem Moment enttäuschen, in dem du ihn als Sicherheitsnetz gedacht hast.

3) Bargeld ist nicht „out“ – aber du musst realistisch planen

Bargeld wird weiterhin viel genutzt: Laut Bundesbank wurden 2023 rund 51 % der Transaktionen mit Bargeld bezahlt (2021 waren es 58 %). Gleichzeitig war bei 80 % der Zahlungen vor Ort Kartenzahlung möglich. (Bundesbank: Zahlungsverhalten 2023)

Und ein Punkt, der in der Praxis zählt: 15 % der Befragten fanden es (ziemlich oder sehr) schwierig, zu Geldautomat oder Bankschalter zu kommen. Das ist ein echtes Argument für einen kleinen Puffer zu Hause. (Bundesbank: Zahlungsverhalten 2023)

„Dennoch sinkt der Barzahlungsanteil schneller als in den Jahren davor.“
— Burkhard Balz, Bundesbank (zur Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2023“) (Bundesbank)


Wie du „genug, aber nicht zu viel“ festlegst (ohne Euro-Beträge)

Schritt 1: Definiere den Zweck (sonst wird’s automatisch „zu viel“)

Gute Zwecke für Bargeld zu Hause:

  • Kurzfristiger Ausfallpuffer: ein paar Tage bis etwa eine Woche Alltag ohne Karte/ATM
  • Kleine, häufige Bar-Ausgaben: Trinkgeld, Kleinreparaturen, spontane Besorgungen
  • Haushaltsorganisation: Budget-Umschläge wenn du wirklich so tickst

Schlechte Zwecke:

  • „Falls Banken morgen schließen“ (dafür ist Bargeld allein weder sicher noch vollständig)
  • „Damit ich schneller reich wirke“ (klingt albern, endet aber oft in irrationalen Summen)

Schritt 2: Stückelung schlägt Summe

Ein Puffer, der nur aus großen Scheinen besteht, hilft dir im Alltag weniger und fällt im Schadenfall schneller auf. Sinnvoller:

  • gemischte Stückelung (klein + mittel)
  • getrennte Aufbewahrung (nicht alles an einem Ort)

Schritt 3: Lagerung ehrlich bewerten (Great / Okay / Risky)

  • Great: geprüfter, verankerter Safe + diskret + nur Reserve, die du begründen kannst
  • Okay: sehr gutes Versteck + kleine Reserve + Haushaltsdisziplin
  • Risky: Schublade, Keksdose, „Geheimfach“, oder jeder Mitbewohner weiß davon

Red Flags, die ich immer sehe

  • du kannst nicht erklären, wieviele Tage du damit abdecken willst
  • du lagerst Bargeld offen „weil’s schneller geht“
  • du verlässt dich auf Versicherung, ohne Entschädigungsgrenzen/Obliegenheiten zu prüfen
  • du erzählst anderen davon (ja, auch „nur“ Freunden)

FAQ (auch wenn du später wieder weg willst)

Sollte ich lieber alles auf dem Konto lassen statt zu Hause?
Für die meisten: ja, bis auf einen kleinen Notfallpuffer. Bargeld zu Hause ist eine Ergänzung, kein Ersatz für Kontozugang.

Wie leicht kann ich die Strategie wieder ändern („Switching“)?
Sehr leicht: Du kannst den Puffer schrittweise reduzieren und wieder einzahlen. Der schwerste Teil ist psychologisch (Sicherheitsgefühl), nicht technisch.

Was ist, wenn ich schon viel Bargeld zu Hause habe?
Dann würde ich zuerst die Lagerung absichern (Safe/Versteck/OpSec) und danach die Summe auf einen klaren Zweck „zusammenkürzen“. Ohne Zweck ist es fast immer zu viel.

Hilft ein Ausgaben-Tracker dabei?
Er löst keinen Einbruch, aber er hilft dir, den Puffer realistisch zu dimensionieren („Wie viel brauche ich wirklich für X Tage?“). Tracking-Apps sind gut für Klarheit – nicht als Krisenplan-Ersatz.

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