Ich stehe zwischen zwei Wohnungstüren und habe plötzlich das Gefühl, ich miete auch noch eine dritte: die Tür in meinem Kopf, hinter der die Rechnungen wohnen.
Der Plan ist eigentlich romantisch. Neue Wohnung, frische Wände, ein paar Pflanzen, die diesmal nicht als Erste ausziehen. Aber dann kommt der Moment, den niemand in den Wohnungsanzeigen erwähnt: die Überschneidung. Zwei Mieten. Zwei Stromverträge (zumindest gefühlt). Zwei Orte, an denen man abends erschöpft aufs Sofa fällt – nur dass eins davon noch nicht mal ein Sofa hat.
Und ja: In Deutschland ist das kein exotisches Problem. Wenn nur etwa 41,9 % der Haushalte in selbstgenutztem Eigentum wohnen, heißt das im Umkehrschluss: Viele von uns bewegen sich im Miet-Universum – mit all seinen Fristen und Timing-Fallen (Destatis, Eigentumsquote). Außerdem liegt die durchschnittliche Mietbelastungsquote bei 27,9 % (für Hauptmieterhaushalte) – Miete ist also für viele schon ohne Überschneidung ein großer Brocken (Destatis, Mietbelastung).
Der Moment, in dem es kippt
Ich sitze am Küchentisch der alten Wohnung. Kartons bis zur Schulterhöhe, mein Design-Laptop irgendwo dazwischen wie ein schlecht verstecktes Osterei. Ich rechne grob im Kopf: „Okay, das wird eng, aber machbar.“ Dann erinnere ich mich an die Kündigungsfrist – und merke, wie „machbar“ plötzlich „sportlich“ wird.
Denn rechtlich ist das ziemlich eindeutig. Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht:
„Die Kündigung ist spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats zulässig.“
(§ 573c BGB, gesetze-im-internet.de)
Drei Monate klingen auf Papier wie ein netter Puffer. In der Realität fühlen sie sich an wie ein Mini-Staffelmarathon: Renovieren, Umzug, doppelte laufende Kosten – und nebenbei soll ich noch so tun, als würde ich normal arbeiten.
Was ich mache (und was ich beim ersten Mal falsch mache)
Mein erster Reflex ist Chaos-Optimismus: Ich schiebe Ausgaben in die Zukunft, rede mir ein, dass „diesen Monat bestimmt weniger los ist“, und belohne mich zwischendurch mit kleinen „Das-habe-ich-mir-verdient“-Käufen. Spoiler: Die sind selten gratis, nur weil man sie emotional abrechnet.
Der Wendepunkt kommt nicht durch Disziplin, sondern durch Neugier: Ich tracke meine Ausgaben ein paar Wochen konsequent (bei mir ist das Monee, weil ich sehen will, wo das Geld wirklich hinläuft). Und plötzlich sehe ich Muster, die mein Kopf vorher weichgezeichnet hat: doppelte Wege, doppelte Einkäufe („Oh, wieder Spüli, weil der andere in der anderen Wohnung steht“), und diese unterschätzten Kleinigkeiten rund um den Umzug, die sich wie Konfetti verteilen – nur ohne Party.
Mein simples Overlap-Budget (in drei Phasen)
Ich nenne es das Überschneidungs-Budget, weil es nicht versucht, den Umzug zu „gewinnen“, sondern ihn sauber zu überstehen.
Phase 1: Vorlauf (bis zur Schlüsselübergabe)
Ziel: Liquidität schützen, nicht „noch schnell“ upgraden.
- Ich lege einen Overlap-Topf an: eine feste Summe, die ausschließlich für doppelte Miete + Umzugsnebengeräusche reserviert ist.
- Ich stoppe alles, was wie „neuer Lebensabschnitt“-Shopping aussieht. Das neue Leben kann auch auf dem alten Esstisch starten.
Phase 2: Überschneidung (die heißen Wochen)
Ziel: Entscheidungen vereinfachen.
- Ich arbeite mit drei Kategorien: Fixkosten doppelt, Umzug einmalig, Alltag minimal.
- „Alltag minimal“ heißt: weniger Spontan-Käufe, mehr Standards. Nicht asketisch, nur ohne Extras, die sich später wie Reue anfühlen.
- Ich setze eine Regel: Kein Kauf, nur weil ich gerade gestresst bin. Wenn ich Stress-Schattenboxen will, gehe ich lieber Kartons tragen.
Phase 3: Landung (erste Wochen nach dem Umzug)
Ziel: nicht nachträglich ausrutschen.
- Ich plane ein kleines „Nachlauf-Polster“, weil Abrechnungen und letzte Besorgungen gern zeitversetzt auftauchen.
- Ich prüfe meine getrackten Ausgaben: Was war wirklich nötig – und was war nur doppelt, weil mein Gehirn zwei Haushalte simuliert hat?
Was ich heute anders mache als beim ersten großen Überschneidungs-Umzug: Ich behandle die doppelte Miete nicht als „kurze Ausnahme“, sondern als Projekt mit eigener Budgetlogik. Das nimmt dem Ganzen den moralischen Druck („Warum bin ich nicht besser?“) und macht es zu einer einfachen Frage: Wie organisiere ich diese Monate, damit sie mich nicht auffressen?
Praktische Takeaways (zum Mitnehmen)
- Plane Überschneidung als eigenes Mini-Projekt: Vorlauf, Überschneidung, Landung statt „wird schon“.
- Trenne dein Budget in doppelte Fixkosten / einmalige Umzugskosten / Alltag minimal – das reduziert Fehlentscheidungen.
- Nutze Tracking (bei mir: Monee), um doppelte Muster sichtbar zu machen: zweite Einkäufe, doppelte Wege, Stress-Käufe.
- Halte eine Nachlauf-Reserve frei, weil die letzten Kosten selten pünktlich sind.
- Wenn Kündigungsfristen greifen, rechne nicht mit Glück – rechne mit Kalender: Fristen bestimmen die Realität (§ 573c BGB).
Wenn du in dieser Situation steckst, gibt es meist drei saubere Wege: früh kündigen und mit Puffer leben, Überschneidung kurz halten und Tempo machen, oder bewusst länger überlappen und dafür andere Ausgaben temporär runterfahren. Ich nehme inzwischen den Weg, der mir nachts den Kopf freihält – nicht den, der auf dem Papier am coolsten aussieht.

