Verkaufe ungenutzte Dinge, wenn dir das Geld nach Abzug der Kosten den Aufwand wert ist. Spende sie, wenn du sie lieber mit weniger Organisation weitergeben möchtest und eine passende Stelle sie annimmt.
Du brauchst dafür keine feste Preisgrenze. Entscheidend ist, wie viel Geld voraussichtlich übrig bleibt – und wie viel zusätzliche Zeit du dafür einsetzen würdest.
So funktioniert der Zeit-Wert-Test
Die folgende Rechnung ist eine Entscheidungshilfe, keine allgemeingültige Finanzregel:
Erwarteter Verkaufserlös minus Verkaufskosten, geteilt durch den zusätzlichen Zeitaufwand gegenüber dem Spenden.
Das Ergebnis zeigt dir, wie viel Geld du rechnerisch für eine zusätzliche Stunde Aufwand erhältst.
1. Schätze den realistischen Erlös
Was du damals bezahlt hast, ist für diese Entscheidung weniger hilfreich als die Frage: Was würde heute jemand dafür zahlen?
Vergleiche möglichst ähnliche Gegenstände hinsichtlich Zustand, Modell und Zubehör. Nutze abgeschlossene Verkäufe, sofern sichtbar. Ein ausgeschriebener Wunschpreis allein zeigt noch nicht, ob jemand ihn bezahlt.
Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt für den Secondhand-Verkauf realistische Preisvorstellungen und eine ehrliche Beschreibung des Zustands.
Ziehe anschließend die Kosten ab, die du selbst tragen würdest: etwa Verpackung, Versand, Fahrtkosten oder gegebenenfalls Plattformgebühren. Prüfe Gebühren direkt beim gewählten Anbieter, bevor du rechnest.
2. Zähle die Arbeit mit
Berücksichtige nicht nur die Minuten für das Inserat, sondern auch:
- Zustand prüfen, reinigen und fotografieren
- Beschreibung schreiben und Rückfragen beantworten
- Preis verhandeln und Termine abstimmen
- Verpacken, verschicken oder die Übergabe organisieren
Rechne beim Spenden ebenfalls Zeit ein: Annahmebedingungen prüfen, Sachen zusammenstellen und hinbringen.
Vergleiche den Unterschied zwischen beiden Wegen. Wenn du für eine Spende eine lange Fahrt brauchst, kann ein Verkauf mit Abholung für dich weniger Arbeit bedeuten.
3. Entscheide, was dir dieser Aufwand wert ist
Dein beruflicher Stundenlohn muss dafür nicht der Maßstab sein. Eine freie Stunde lässt sich nicht automatisch in eine bezahlte Arbeitsstunde umwandeln.
Hilfreicher ist die Frage: „Würde ich für diesen Betrag die zusätzliche Arbeit gerade übernehmen?“
Wenn du das Geld brauchst, kann auch ein kleiner Erlös sinnvoll sein. Wenn deine Woche bereits voll ist, darf deine Grenze höher liegen.
Ein hypothetisches Rechenbeispiel
Angenommen, du möchtest eine gebrauchte Lampe abgeben. Alle folgenden Werte sind frei gewählte Rechenannahmen, keine Marktpreise:
| Position | Annahme |
|---|---|
| Verkaufspreis | 35 € |
| Kosten, die du selbst trägst | 5 € |
| Verbleibender Erlös | 30 € |
| Zeitaufwand für den Verkauf | 90 Minuten |
| Zeitaufwand für die Spende | 30 Minuten |
| Zusätzlicher Verkaufsaufwand | 60 Minuten |
Du würdest für eine zusätzliche Stunde Aufwand 30 Euro erhalten. Ob sich das lohnt, entscheidest du.
Erwartest du dagegen viele Rückfragen oder einen unsicheren Verkauf, rechne eine zweite Variante mit niedrigerem Erlös und mehr Zeit. So hängt deine Entscheidung nicht nur am günstigsten Verlauf.
Wenn das Ergebnis knapp ist
Du musst nicht zwischen „alles einzeln verkaufen“ und „alles spenden“ wählen.
Bündeln: Ähnliche Dinge lassen sich als Paket anbieten. Rechne mit dem erwarteten Paketpreis und dem gemeinsamen Aufwand.
Einen begrenzten Versuch machen: Lege vor dem Inserieren einen Mindestpreis und eine Frist fest, beispielsweise zwei Wochen. Das ist eine persönliche Organisationsregel, keine empfohlene Marktdauer.
Einfacher verkaufen: Ein Ankaufportal kann eine Alternative sein. Laut Verbraucherzentrale fällt der Erlös dort allerdings in der Regel niedriger aus als beim Privatverkauf. Vergleiche deshalb das konkrete Angebot mit deinem Aufwand.
Spenden braucht eine passende Anlaufstelle
Prüfe vor dem Transport, ob die Einrichtung deine Sachen aktuell annimmt und welche Anforderungen gelten.
Bei Kleiderspenden nennt FairWertung beispielsweise saubere, tragbare Kleidung und paarweise zusammengebundene Schuhe. Nasse, stark verschmutzte oder stark beschädigte Textilien gehören nicht in die Kleidersammlung.
Eine Spende bedeutet außerdem nicht zwingend, dass dein Gegenstand kostenlos direkt an Bedürftige weitergegeben wird. Die Verbraucherzentrale erklärt, dass gemeinnützige Organisationen gespendete Kleidung auch verkaufen und mit den Erlösen ihre Arbeit finanzieren.
Du darfst den möglichen Erlös, deine verfügbare Zeit und den Wunsch zu helfen unterschiedlich gewichten. Der Zeit-Wert-Test macht diese Abwägung sichtbar. Er verpflichtet dich nicht dazu, aus jedem Gegenstand möglichst viel Geld herauszuholen.

